DSi

TNG 3.6 Die Energiefalle


Booby Trap

von Christopher Schlüter

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 43205,6
Geordi sitzt mit Christy am Strand mit einem Cocktail. Ein ungarischer Geiger spielt den ungarischen Tanz Nr. 5. Ein Holodeckprogramm, an dem er 2 Tage gearbeitet hat, doch Christy will gehen, weil sie einfach nicht das empfindet, was Geordi empfindet. Inzwischen spielen Data und Wesley Schach im Zehn Vorne. Im All sieht man viele Trümmer und Asteroiden. Während sie sich unterhalten erfährt man, dass die Trümmer Überbleibsel aus dem Krieg von Orelius 9 sind, der vor über 1000 Jahren stattfand. Nun kommt Geordi deprimiert ins Zehn Vorne und bestellt sich einen Drink. Data wird via Intercom auf die Brücke gerufen, wo man einen alten interplanetarischen Code auffängt, wobei es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein altes Notsignal handelt. Picard lässt einen Kurs auf setzen. Der Notruf geht von einem alten promellianischen Schlachtschiff aus. Picard ist begeistert und sieht sich mit einem Stück Geschichte konfrontiert. In dem Krieg von Orelius 9 bekämpften sich Promellianer und Mentharianer bis zu ihrer völligen Ausrottung. Der Captain will das Schiff unbedingt selbst besichtigen, obwohl Riker Bedenken anmeldet. Picard möchte selber gerne einmal in die Flasche kriechen können, da er als Kind immer Flaschenschiffe gebaut hat. Im Außenteam befinden sich Data, Picard und Worf. Flaschenschiffe baute nur noch O'Brien, da Data nie ein Knabe war und Worf sich mit anderen Dingen beschäftigt hat. Als O'Brien das Außenteam auf das Promellianerschiff beamt, gibt es im Transporterraum einen kurzen Energieabfall, doch der Vorfall wird noch nicht als ernst angesehen. Auf dem anderen Schiff sieht sich das Außenteam um. Der Captain sitzt tot auf dem Stuhl. Picard bewundert das Brückendesign dieser Zeit, da er es früher immer für plump und ineffizient hielt, welches aber tatsächlich ein Muster an Effizienz und Einfachheit ist. Geordi  unterhält sich währenddessen im Zehn Vorne mit Guinan. Ihm ist es nicht klar, warum es kein Problem für ihn ist einen Energietuner neu einzustellen, aber warum er nicht weiß, was er bei Frauen sagen und wie er sich verhalten soll. Auf der Brücke bemerkt man Probleme, die mit der Energie zusammenhängen. Picard lässt unterdessen das Notsignal ausschalten und entdeckt das alte Logbuch des Captains, in welchem er seine Mannschaft lobt und erklärt, dass nur er für das verantwortlich ist, was allen Lebewesen an Bord seines Schiffes widerfährt. Das Außenteam lässt sich zurückbeamen und als Picard wieder auf der Brücke ist freuen sich alle über seine ungewöhnliche lockere und fröhliche Haltung.

Als Picard befiehlt bei der Sternenflotte ein Bergungsschiff anzufordern und weiter zu fliegen, kommen sie nicht von der Stelle. Gleichzeitig dezimieren sich die Energiereserven schlagartig. Picard lässt gelben Alarm geben und versucht es mit vollem Impuls und Warp, jedoch ohne Erfolg. Proportional zum Energieabfall stellt sich plötzlich eine tödliche Strahlung ein. Es wird roter Alarm gegeben und die Schilde werden aktiviert. Da der Energieabfall konstant ist, werden in 3 Stunden die Schilde zusammenbrechen. Menschen dürfen der Strahlung maximal 30 Minuten ausgesetzt werden. Danach kann für die Strahlenopfer nichts mehr getan werden. Geordi stellt in einer Unterhaltung mit dem Computer fest, dass der Energieabfall proportional zur Strahlungsintensität ist. Alle Besatzungsmitglieder werden in die Decks mit ungeraden Zahlen evakuiert und das Strahlungsprotokoll wird initiiert.

Geordi entdeckt in den Datenbanken eine Dr. Leah Brahms, eine Konstrukteurin des Warpantriebs, speziell bei Raumschiffen der Galaxy-Klasse. Er versucht mehr Energie zu erzeugen und lässt zu diesem Zweck das Prototypmodell auf dem Holodeck 3 generieren. Beim Prototypmodell handelt es sich um einen Raum, der speziell zum Testen und Entwerfen von Maschinenteilen gebaut wurde. Aus dem Fenster sieht man ein Schiff der Galaxy-Klasse, welches noch im Bau ist. Geordi unterhält sich mit Dr. Leah Brahms, wie man eine Energiesteigerung herbeiführen könnte, als er unbeabsichtigt ein Hologramm von ihr generiert, das jedoch noch sehr emotionslos ist. Als er den Computer bittet Charakterelemente von ihr hinzuzufügen, verliebt er sich sofort in sie. Auf der Brücke findet man heraus, dass mehrere hundert Aceton-Assimilatoren die Strahlung erzeugen. Picard lässt den Teil der Trümmer, der weniger Strahlung produziert, mit den Phasern beschießen, doch dies hat genau den gegenteiligen Effekt und die Strahlung steigt, sodass ohne Schilde Menschen nur noch 20 min der Strahlung ausgesetzt werden dürfen.

Das Holdeck wird gemäß Standard-Vorschriften deaktiviert, da die Energiereserven ein kritisches Stadium erreichen. Picard gibt Geordi noch eine Stunde, um eine Lösung auszuarbeiten. Dr. Brahms und LaForge erkennen, dass zwischen Kraft und Gegenkraft eine Zeitdifferenz besteht und dass man diese ausnutzen könnte, um die entstehende Gegenkraft zu neutralisieren. Dazu wären jedoch über 100 Einstellungen pro Sekunde nötig. Geordi schlägt Picard also vor, das Schiff dem Computer zu übergeben. Die Schutzschilde sind zusammengebrochen und es bleiben nur noch 20 min Zeit. Es werden nun einige Simulationen durchgeführt, aber der Computer ist unsicher, da bei gleichen Einstellungen die Strahlung einmal tödlich ist, beim anderen Mal jedoch nicht und sie kämen frei. Dann fällt Geordi noch eine Lösung ein. Er schlägt vor, die Sache genau anders herum anzugehen, nämlich alles außer Lebenserhaltung und 2 Steuerdüsen abzuschalten. Mann könnte so eine Mikrosekunde max. Warp geben, um die Trägheit zu überwinden und dann mit Hilfe der Steuerdüsen die Trümmer umfliegen, bis man die Aceton-Assimilatoren umflogen hat. Geordi ist der Meinung, dass der Computer nie den menschlichen Faktor ersetzen kann, die Erfahrung und die Intuition. Picard lässt alles abschalten und löst Wesley Crusher an der CONN ab. Der Warpimpuls wird initiiert und Picard fliegt um die Trümmer herum. Durch die Anziehungskraft der umgebenden Asteroiden hat die Enterprise jedoch nicht mehr genügend Schwung, um die Peripherie zu erreichen. Picard steuert auf einen großen Asteroiden zu. Durch seine Gravitation wird die Enterprise angezogen und die Geschwindigkeit erhöht sich auf 214 m/s. Im letzten Moment aktiviert Picard die Düse und benutzt den Asteroiden so als Katapult. Da sie nun außer Gefahr sind werden alle Systeme aktiviert und Picard lässt die Photonentorpedos scharf machen und lässt Ziel bei Einschlag auf Promellianerschiff programmieren und feuert. Die Aceton-Assimilatoren werden so überladen und zerstört, damit niemand anderes mehr in die Todesfalle gerät. Geordi geht noch einmal auf das Holodeck, um sich von Leah zu verabschieden.




Bewertung

Booby Trap ist eine sehr gute TNG-Folge, die in fast allen Kriterienpunkten weit über dem Durchschnitt liegt.  Zu Beginn der Folge wird der Charakter Geordi wieder einmal charakterisiert. Er sitzt mit einer Frau am Strand, er weiß, wie man Energietuner neu einstellt und kann sich doch nicht mit einer Frau unterhalten. Seine Annäherungsversuche wirken fast so gekünstelt wie in der Folge "Datas erste Liebe". Geordi wird sein Ziel in der Folge "Wer ist John" erreichen, da John ihm ein Geschenk macht, sodass er selbstbewusster und offener wird. Ein weiteres Plus muss für die in TNG sehr herausragenden SFX gegeben werden. Als Data und Wesley im Zehn Vorne Schach spielen, sieht man im Hintergrund die Trümmer der Schlacht von Orelius 9. Diese Trümmerteile sehen sehr gut aus und mit dem Konflikt, der vor 1000 Jahren stattfand, wird ebenfalls Spannung erzeugt, was diesen wohl ausgelöst haben könnte.

Danach geht es gleich spannend weiter, als ein Notsignal ausgemacht wird. Man entdeckt den promellianischen Schlachtkreuzer und fragt sich für einen kurzen Augenblick nach der Frage von Riker tatsächlich, ob es noch Überlebende geben könnte. Weiterhin sehr gut ausgearbeitet ist die Begeisterung Picards, die der aus "Der Feuersturm" sehr ähnelt.
Schön sind auch die Szenen auf dem Promellianerschiff. Man erfährt zwar nicht, was den Leuten an Bord passierte, wird aber doch durch die Szene befriedigt. Weiterhin ist der Energieabfall im Transporterraum sehr spannend, da solche Störungen immer Indikatoren für ein größeres Problem sind. Wie in "Die Iconia-Sonden" werden sich auch hier die Probleme häufen. Die Spannung sinkt wieder und man will weiterfliegen. Dann hat die Spannung den Maximalausschlag, da das Steuer nicht mehr reagiert. Selbst mit vollem Impuls und Warpantrieb ist es nicht möglich die Enterprise zu bewegen. Schön ist auch, dass Picard, als die Situation nicht klar ist, erst auf gelben Alarm geht, anstatt sofort auf roten Alarm zu gehen. Die Sache wird gefährlich als auch noch eine tödliche Strahlung und ein kontinuierlicher Energieverbrauch zu konstatieren sind.

Geordi versucht herauszufinden, warum Sie nicht weiterfliegen können und stößt dabei zufällig auf Dr. Leah Brahms, die er in "Die Begegnung im Weltraum" wesentlich besser kennen lernen wird. Geordi und Leah versuchen nun mehr Energie zu erzeugen und einen Ausweg aus ihrer Lage zu finden, während ein Außenteam noch weitere Logbuchspeicherspulen an Bord der Enterprise bringt, wodurch man dann herausfindet, dass es sich um Aceton-Assimilatoren handelt. Das Element Zeitdruck wird noch verstärkt hinzugefügt, als Picard sich entschließt mit den Phasern auf eine Schwachstelle im Aceton-Assimilatorenfeld zu schießen, wodurch sich die Strahlungsintensität erhöht und die Energiereserven vermindert werden. Gut sind auch die physikalischen Überlegungen von Dr. Brahms und Geordi, weil man tatsächlich mit einer schnellen Schaltung Kraft und Gegenkraft außer Kraft setzten könnte, vorrausgesetzt man kennt die Zeitdifferenz Delta t zwischen den Ereignissen. Am Ende gibt es also nur 3 Möglichkeiten. Man tut nichts und wird sicher sterben, man übergibt die gesamte Kontrolle des Schiffes dem Computer und hofft, dass er die Kräfte neutralisieren kann, bevor das Strahlungsniveau tödlich ist, was jedoch auch nicht gut wäre, da diese Methode offensichtlich nicht immer funktioniert. Oder man deaktiviert alle Systeme bis auf Lebenserhaltung und 2 Steuerdüsen und versucht mit einem trägheitsüberwindenden Warpschub und den 2 Steuerdüsen die Peripherie der Aceton-Assimilatoren zu verlassen. Zunächst scheint alles noch einwandfrei zu funktionieren, aber dann reicht die Geschwindigkeit der Enterprise durch die Anziehung der verschiedenen Massen nicht mehr aus, um die Peripherie zu erreichen. Diese Tatsache wäre physikalisch vielleicht gerade noch zu vertreten, aber dass die Enteprise von einem nur maximal zehnfach größeren Asteroiden so schnell beschleunigt wird, ist einfach unmöglich. Selbst bei Planeten wird die Enterprise nicht beeinflusst und ein Körper muss schon eine sehr große Masse haben, um einen anderen so stark anzuziehen. Für diesen wissenschaftlichen Schwachpunkt muss man einen Bewertungspunkt abziehen, obwohl die Folge sonst wunderbar geschrieben ist. Ein weiteres Plus kann man für die Musik geben, die im richtigen Augenblick romantisch, spannend und aufregend wirkt, im Gegensatz zu vielen anderen TNG-Folgen, wo die Musik kitschig und plump wirkt. Zu erwähnen ist mit Sicherheit noch Guinan, die wieder mit einem guten Ratschlag aufwarten kann. Es ist durchaus interessant, dass besonders Menschen, die wissenschaftlich oder technisch versiert sind, oft Probleme im interpersonellen Bereich, insbesondere mit Frauen haben. Dies kann man sehr schön erkennen, da er sich mit dem Computer und mit der Holo-Leah wunderbar unterhalten kann, bei Christy aber kein Wort herausbringt. Geordi sagt zu Guinan, dass er sich bei ihr überhaupt nicht darum bemühe und die sie meint, dass genau das der Punkt sei, da technische Menschen die Situation meist komplizierter sehen, als sie tatsächlich ist, während spontane Menschen überhaupt nicht darüber nachdenken. Am Ende verabschiedet sich Geordi noch von Leah und es kommt zum ersten Kuss. Interessant: An genau dieser Sequenz nimmt die reale Dr. Leah Brahms Anstoß, als sie in der Folge "Die Begegnung im Weltraum" an Bord der Enterprise kommt, um LaForges Maschinenmodifikationen zu begutachten.

Dazu eine Anmerkung unseres Lesers J.D.:

Guinan sagt, sie möge glatzköpfige Männer, da jemand mit Glatze in der Vergangenheit sehr gut zu ihr war. Evtl. eine Anspielung auf die Folge "Gefahr aus dem 19. Jahrhundert (2)", in der Picard die Rückreise verzögert aus Sorge um Guinan.

Insgesamt ist die Folge eine unter vielen Highlights der 3. Staffel. Während dieser 3 TNG-Staffeln ist eine kontinuierliche Verbesserung zu konstatieren, die ihr hohes Niveau allerspätestens mit dem Cliffhanger "In den Händen der Borg" und "Angriffsziel Erde" erreicht hat. Während die erste Staffel vom Niveau her noch ziemlich schlecht war, da es eine neue Serie war und die Charaktere erst noch entwickelt werden mussten, waren in der zweiten Staffel schon viele interessante und gutgemachte Episoden dabei.

Und hier noch eine Anmerkung unseres Lesers Thorsten B.:

Nachdem die Enterprise der gefährlichen Strahlung ausgesetzt ist, dürfen die Menschen nur 30 Minuten der Strahlung ausgesetzt sein. Trotzdem beamt Riker ohne jede Warnung oder Hinweis darauf zusammen mit Data auf das andere Schiff, um Informationen zu sammeln. Das alte Schiff dürfte wohl kaum über aktivierte Schutzschilde verfügen.
Spannung: 5 SFX: 5 Handlung: 6 Gesamt: 5
Zusammenhänge

Dr. Leah Brahms kommt in "Die Begegnung im Weltraum" persönlich an Bord der Enterprise, um die Maschinenmodifikationen zu begutachten, die Lt. Geordi LaForge gemacht hat.
Susan Gibney (Brahms) spielt in DS9 4.11 Die Front/4.12 Das verlorene Paradies Cmdr. Benteen.

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Ausdruck vom: 07. 12. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tng3_6.htm