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  5.8 Wiedervereinigung? Teil II  
  Unification Part 2  
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 45245,8
Picard und Spock treffen sich in der Höhle, in die er mit Data geführt wurde. Er will von Spock wissen, weshalb der dort ist, ohne die Föderation unterrichtet zu haben. Spock ist der Meinung, es wäre sein gutes Recht, eine diplomatische Mission durchzuführen, ohne die Föderation zu informieren. Picard sieht das gänzlich anders, bezeichnet es als "Cowboy-Diplomatie", und Spock erläutert seine Motive näher: Als er den Friedensprozess mit den Klingonen einleitete, gefährdete er Captain Kirk und die Enterprise. Seitdem ist er bemüht, das Risiko auf sich selbst zu beschränken. Picard berichtet Spock vom Tod seines Vaters, was Spock scheinbar ohne große Anteilnahme zur Kenntnis nimmt.
Picard erfährt, dass es auf Romulus eine weit verbreitete Bewegung gibt, die sich für die vulkanische Philosophie interessiert und eine Wiedervereinigung dieser beiden Welten, die sich vor hunderten von Jahren voneinander abwandten, begrüßen würden. Da auch Senator Pardek so denkt, hat er seinen alten Freund Spock dort hin gebeten. Eine weitere gute Nachricht ist, dass der neue Prokonsul sehr jung ist und Reformen wohlwollend gegenübersteht. Pardek hat ein Treffen zwischen ihm und Spock arrangiert.
Währenddessen soll Data auf dem Klingonenschiff versuchen, in den romulanischen Hauptcomputer einzudringen und außerdem mit der Enterprise Kontakt aufzunehmen, indem er das Signal auf einer romulanischen Trägerwelle "Huckepack reiten" lässt, um es zu tarnen.

Mittlerweile konnte Riker auf Qualor II in Erfahrung bringen, dass die Pianistin einer Bar ihm bei der Suche nach den Schmugglern, denen er auf die Schliche gekommen ist, weiterhelfen kann. Er kann ihr zwar kein Geld anbieten, spielt aber zu ihrem Vergnügen einen irdischen Blues, und sie sagt ihm, dass ein Ferengi namens Omag sicher bald kommen wird, um von ihr wie immer ein bestimmtes Lied zu hören. Omag ist Waffenhändler.

Spock trifft sich mit Prokonsul Neral und ist angenehm überrascht, dass der Prokonsul schon bald öffentlich die Aufnahme von Beziehungen mit Vulkan bekanntgeben will. Nachdem er den Raum verlässt, kommt aus einer Nebentür Sela getreten und bedenkt Neral mit einem breiten Grinsen...
Als Spock sich darauf mit Picard trifft, ist der ziemlich skeptisch über diese plötzliche Friedensbereitschaft. Spock findet, dass der Captain wie sein Vater redet, und Picard erklärt, dass er sicherlich durch seine Geistesverschmelzung mit Sarek für den Rest seines Lebens beeinflusst sein wird, dass er aber nicht mit der Stimme eines Anderen spricht, und Spock entschuldigt sich, seinen Streit mit Sarek möglicherweise auf Picard übertragen zu haben. In jedem Fall will er sich wie abgemacht erneut mit Neral treffen; sollten die Romulaner Hintergedanken haben, dann wird er sie ergründen, indem er das tut, was sie von ihm erwarten: Er wird den Kurs des Friedens verfolgen.
Darauf kehrt Picard mit ihm auf das Klingonenschiff zurück, wo Spock Data beim Knacken des romulanischen Sicherheitscodes hilft. Im Gespräch zeigt sich, wie unterschiedlich die beiden sind: Während Data stets bemüht ist, menschlicher zu werden, wären viele Vulkanier froh, seine Emotionslosigkeit und seine Perfektion zu erreichen, so auch Spock, der seine menschliche Seite immer unterdrückt hat.

Auf Qualor II können Riker und Worf den dicken Omag stellen, als der zum Essen in die Bar kommt. Er gibt sich zunächst unwissend, doch als Riker ihn sich greift, berichtet er ganz schnell, dass er das gestohlene vulkanische Schiff, die T'Pau, einem barolianischen Frachter im Galorndon Kern geliefert hat. Riker macht sich nach einem Gespräch mit Picard sofort auf den Weg dorthin, um Spurensuche zu betreiben.

Data konnte derweil eine Nachricht vom romulanischen Geheimdienst an ein barolianisches Schiff im Galorndon Kern abfangen, die nur aus den Ziffern "1400" besteht. Als Picard Spock nach der möglichen Bedeutung fragt, meint Spock, 14:00 Uhr wäre der Ausstrahlungstermin für die Erklärung des Prokonsuls. Bevor man weitere Hypothesen anstellen kann, kommt Sela mit mehreren Bewaffneten herein und nimmt Spock, Picard und Data fest. Pardek, der ebenfalls anwesend ist, erweist sich Spock gegenüber als Verräter: Er hatte Spock in die Falle gelockt und hat seiner Welt damit einen großen Dienst erwiesen.
Die drei werden zunächst im Büro des Prokonsuls gefangen gehalten, wo Sela ihre Pläne offenbart: Es wird eine Wiedervereinigung geben, allerdings indem die Romulaner Vulkan erobern werden. Spock soll in einer Mitteilung davon sprechen, dass mit drei vulkanischen Schiffen ein Friedensbotschafter nach Vulkan kommt, damit Verwirrung gestiftet wird, die den Romulanern Zeit gibt, die Invasion durchzuführen. Spock weigert sich, doch Sela hat vorgesorgt: Sie hat ein Hologramm von Spock erstellt, das den gewünschten Text aufsagt. Sie lässt die drei zurück, nicht ahnend, dass Data und Spock noch Zugang zum Hauptcomputer haben. Sie machen sich an die Arbeit.

Die Enterprise entdeckt indes die drei vulkanischen Schiffe, die die neutrale Zone mit Kurs auf Vulkan durchqueren. Obwohl die Enterprise eine Mitteilung von Picard erhalten hat, die Position im Galorndon Kern zu halten, lässt Riker einen Abfangkurs setzen. Geordi kann nicht bestätigen, dass eines der Schiffe die gestohlene T'Pau ist, aber Riker ist misstrauisch.
Als Sela mit zwei Wachen den Raum wieder betritt, scheinen ihre Gefangenen verschwunden zu sein. Plötzlich erscheinen Riker und zwei Sicherheitsmänner und drohen mit Phasern. Als Sela auf sie schießt, erweisen sie sich allerdings als Hologramme. Da treten Spock, Data und Picard aus der (Holo-) Wand hervor und überwältigen die Wächter. Sela meint, das hätte keinen Sinn, da niemand mehr rechtzeitig eintreffen kann, die Invasion aufzuhalten. Für die Enterprise hat sie bereits in Picards Namen die Mitteilung zum Halten der Position gegeben, und nötigenfalls erhält die Enterprise weitere Befehle.

Das geschieht tatsächlich sehr schnell: Es gibt einen Priorität-1 Notruf einer nahen Kolonie, der nur die Enterprise helfen kann. Riker will gerade Kurs setzen lassen, als eine Botschaft über Subraum hereinkommt: Es ist Botschafter Spock, der vor drei vulkanischen Schiffen warnt, die eine Streitmacht befördern. Riker will den Notruf bestätigen lassen, aber ohne Erfolg. Also fängt er die drei Schiffe ab. Als die Enterprise eintrifft, enttarnt sich ein Warbird und vernichtet alle drei. Dabei werden über 2000 romulanische Soldaten getötet. Offensichtlich ist dies den Romulanern lieber, als in Gefangenschaft zu geraten.
Nach dem Trick mit den Hologrammen und der erfolgreichen Warnung machen sich Picard, Data und Spock schnell aus dem Staub. In der Höhle verabschiedet sich Spock: Seine Mission ist noch nicht beendet. Zwar ist dieser Versuch, eine Vereinigung herbeizuführen, gescheitert, doch die Bewegung für Frieden wird im Untergrund immer stärker, und so sieht er es als seine Aufgabe an, sie zu fördern und ihr die vulkanische Kultur aus erster Hand näherzubringen. Als Abschied bietet Picard ihm eine Geistesverschmelzung an, damit Spock auf diesem Wege von den Gefühlen und dem Stolz erfährt, die sein Vater für ihn empfand, und Spock ist einverstanden.

Bewertung

Wie schon im ersten Teil entwickelt sich die Handlung entspannend langsam, so dass viel Wert auf die Beobachtung der Charaktere gelegt wird, allen voran Gaststar Leonard Nimoy als Spock, der hier bereits uralt wirkt, aber immer noch den aus TOS und den Filmen bekannten Elan an den Tag legt und damit auf unkonventionelle Weise für seine Überzeugungen einsteht. Besonders schön sind die Szenen zwischen ihm und Data, der ja bei TNG als Spocks Nachfolger fungiert. Es wird aufgezeigt, dass die beiden trotzdem Welten voneinander trennen, da Data sich ja gerade bemüht, menschlich zu werden, was niemals zu Spocks Bestrebungen zählte. Interessant ist auch, dass Spock Picard attestiert, beinahe über vulkanische Charakterzüge zu verfügen, wohingegen Data erwähnt, Picard sei sein Vorbild als Mensch.
Ein wenig darf Spock aus vergangenen Zeiten erzählen, wo er mit Cpt. Kirk durch die Galaxis reiste und den Frieden mit den Klingonen ermöglichte.
Zwei weitere besonders schöne Szenen spielen sich in der Bar auf Qualor II ab: Zunächst, als Riker sogar bei der sechsarmigen Pianistin seinen Charme spielen lässt, um die Informationen zu erhalten. Dabei ist die Frau zwar nach menschlichen Gesichtspunkten alles andere als schön, strahlt aber eine natürliche Freundlichkeit und Herzlichkeit aus, besonders als sie zusammen mit Riker den Blues intoniert. Die zweite Szene ist kurz bevor Omag den Raum betritt: Worf wünscht sich von der Pianistin eine Arie aus einer klingonischen Oper. Nach wenigen Sekunden ist er hingerissen und grölt lauthals mit. Das ist das erste mal, dass man von Worfs musikalischer Leidenschaft hört.

Die Handlung ist interessant gestaltet, da man zunächst Pardek für vollkommen vertrauenswürdig hält und erst Verdacht schöpft, als der Prokonsul ohne Weiteres bereit ist, einen Prozess der Kommunikation einzuleiten. Bei Selas Auftritt im Raum des Konsuls, nachdem Spock gegangen ist, wird freilich klar, dass Picard eine schwere Zeit bevorsteht.
Trotzdem überrascht Spock, als er Pardek als Verräter identifiziert. In jener Szene ist es knapp 20 Sekunden her, dass Sela und die Soldaten den Raum betraten, und schon weiß Spock Bescheid. Das wirkt leicht überzogen und beweist, dass ihm das Unterdrücken seiner menschlichen Seite wohl sehr gut gelungen ist, da er die Fakten kombiniert, ohne einen Gedanken an ein mögliches Vertrauensverhältnis zu seinem langjährigen Freund Pardek zu verschwenden.
Die Nebenhandlung um Riker scheint zunächst sinnlos, obwohl man sich bereits denken kann, dass er durch die Verfolgung der Spuren der T'Pau später eine wichtige Rolle spielen wird. Es mutet dabei jedoch merkwürdig an, wie schnell er bereit ist, den Posten zu verlassen und damit die Befehle des Captains zu ignorieren, als die vulkanischen Schiffe in Sensorenreichweite kommen, denn er kann ja nicht wissen, ob Picard diese Information vielleicht schon bekannt war und er Riker aus gutem Grund anwies, im Galorndon Kern zu bleiben.
Die Handlung um das schlechte Verhältnis, das Sarek Zeit seines Lebens zu seinem Sohn hatte, wird mit den verschiedenen Gesprächen zwischen Picard und Spock sowie der abschließenden Geistesverschmelzung zu einem Ende gebracht, wobei Picard in Spock einen neuen Freund gefunden zu haben scheint.

Etwas verschwendet wirkt das Ende der Episode. Von Picards Festnahme bis zum Abwenden der Invasion durch Rikers Abfangjagd vergehen nur wenige Minuten, in denen man eigentlich nicht erwartet hätte zu erfahren, dass die Romulaner mal eben auf Vulkan einmarschieren wollen und diesen Plan dann von Spock vereiteln lassen, weil er im Büro des Prokonsuls Zugriff auf das Kommunikationsnetz erhält. Gerade den Romulanern sollte man soviel Intelligenz attestieren können, Gefangene wie Spock, Picard und Data nicht an einem Nervenzentrum der Regierung, sondern in einer eigens für diese Zwecke konstruierten Zelle, von denen es auf Romulus genügend geben dürfte, festzuhalten.
Dafür eifert Data seinem Geistesbruder nach, indem er Spocks berühmten Würgegriff erfolgreich gegen Sela einsetzt.

Trotz einiger Schwächen ist der zweite größere Auftritt eines aus TOS bekannten Charakters in TNG gut gelungen und unterstreicht die Wichtigkeit insbesondere der Person, während die Wichtigkeit der Situation nicht ausreichend vorbereitet wurde. Insgesamt eine gute Episode.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

  • Die Erwähnung der Friedenskonferenz mit den Klingonen bezieht sich auf "Star Trek VI", ebenso die Gefährdung Kirks in einer Mission, für die Spock die Verantwortung trug.
  • Die Geistesverschmelzung zwischen Sarek und Picard fand in der Episode "Botschafter Sarek" statt.
  • Sela (Denise Crosby) entstammt der Episode "Die alte Enterprise" und hatte ihren ersten großen Auftritt in "Der Kampf um das klingonische Reich", worauf mehrfach Bezug genommen wird.
  • Der sog. Galorndon Kern nahe der neutralen Zone ist bereits aus der Episode "Auf schmalem Grat" bekannt, wo er allerdings in der deutschen Fassung noch mit der Originalbezeichnung "Galorndon Core" benannt wurde.
 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  11. 11. 1991

 Erstausstrahlung D:
  8. 4. 1994

 Regie:
  Cliff Bole

 Buch:
  Michael Piller
  Rick Berman

 Gaststars:
  William Bastiani
  Denise Crosby
  Susan Fallender
  Norman Large
  Harriet Leider
  Leonard Nimoy
  Vidal Peterson
  Daniel Roebuck
  Stephen Root
  Malachi Throne



  Zuletzt geändert:
  2016-02-01, 02:47
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