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Episodenbeschreibung
Sternzeit: 47869,2
Data übt auf dem Holodeck die Rolle des Prospero aus
dem Shakespearestück "Der Sturm", Picard
gibt ihm Ratschläge und Hilfestellung. Plötzlich
kommt wie aus dem Nichts ein Zug angebraust, nur
knapp können die beiden in Deckung springen. An der
Konsole erfährt Data, daß es sich um den berühmten
Orient-Express handelte, der in einem
Holodeckprogramm von Dr. Crusher vorkommt. Bis
geklärt ist, wie die beiden Programme sich
miteinander vermischen konnten, läßt Picard alle
Holodecks abschalten.
Auf der Brücke ist
man mit der Suche nach möglichen Kolonialstätten
beschäftigt, als das Schiff plötzlich auf Warp geht
- ohne Befehl. Die Kontrollen sind blockiert, nur
eine Notabschaltung des Warpkerns könnte die
Enterprise noch zum Stehen bringen, wodurch sie aber
für mindestens eine Woche keinen Antrieb zur
Verfügung hätte. Picard will gerade den Befehl
geben, als die Enterprise unter Warp geht und die
Kontrollen wieder benutzbar sind.
Auf der Suche nach
einer Erklärung entdeckt Geordi, daß dieser kurze
Warpflug ihnen allen das Leben gerettet hat: um das
Schiff herum hatte sich eine Thetaflußverzerrung
gebildet. Wäre die Enterprise nur noch 1,7 Sekunden
an Ort und Stelle geblieben, wäre sie in Stücke
gerissen worden. Bleibt jedoch die Frage, weshalb das
Schiff weggeflogen ist und wieso es eine
Sensorenaufzeichnung der Verzerrung gibt, obwohl die
Sensoren nicht darauf eingestellt sind, nach
Theta-Partikeln zu suchen.
In einer Jeffries-Röhre entdecken Geordi und Data
etwas sehr merkwürdiges: einen Schaltkreisknoten,
der sich hinter einer Kontrolltafel gebildet hat. Der
Versuch, den Knoten zu deaktivieren, mißlingt wegen
eines Kraftfeldes, aber man erkennt, daß der Knoten
verschiedene Schiffssysteme miteinander kombiniert:
Transporter, Replikator, Warpantrieb und
Verteidigungseinrichtungen.
Es zeigt sich
weiterhin, daß ähnliche Knoten über das ganze
Schiff verteilt sind. Allerdings überschneiden sich
ihre Verbindungen in Holodeck 3. Riker, Worf und Data
machen sich auf den Weg und entdecken, daß bereits
mehrere Programme auf dem Holodeck laufen. Da alle
Holodecks deaktiviert waren, muß es sich selbst
eingeschaltet haben.
Drinnen finden sich die drei im Orient Express
wieder, wo sich allerdings auch ein silberner
Androide, ein Revolverheld und weitere Personen
befinden, die aus anderen Programmen zu stammen
scheinen. Data erkennt eine Knotenkonzentration
hinter einer Wand und versucht, sie zu
depolarisieren, als er vom Schaffner aufgehalten
wird. Dann taucht der Zugführer auf, setzt sich für
Data ein, wird aber vom Revolvermann erschossen.
Gleich darauf gibt es auf dem ganzen Schiff eine
Erschütterung, im Maschinenraum überlädt sich ein
Navigationsrelais und explodiert, und die Enterprise
geht wieder auf Warp.
Auf dem Holodeck nimmt sich ein Mann, den man wohl am
ehesten als Gangsterboß beschreiben könnte, einen
Ziegelstein, den der Zugführer bei sich trug und
verkündet, daß er nun den Zug fährt. Das
Außenteam wird vom Schaffner herausgeworfen, weil
keiner eine gültige Karte hat.
In einer
Crewbesprechung erläutert Data, daß offensichtlich
alle Aktionen auf dem Holodeck eine direkte Wirkung
auf das ganze Schiff haben. Zudem hat er ein Muster
bei der Anordnung der Knoten erkannt: es erinnert mit
ein wenig Fantasie an das neurale Netzwerk im
menschlichen Gehirn und an sein positronisches Netz.
Das führt ihn zu der These, daß es sich hierbei um
eine Intelligenz handelt, die vom Schiff
hervorgebracht wird.
Er meint, man finde hier aufbauende Eigenschaften
wieder, wie es auch beim Bewußtsein des Menschen der
Fall ist: das Bewußtsein ist mehr, als die Summe der
vorhandenen Einzelteile - und genau das trifft auch
auf die Knoten zu, deren Verbindungen im Holodeck
zusammenlaufen, so daß man von einer
selbstbestimmenden Intelligenz sprechen kann. Deanna
meint, daß das Holodeck als eine Art
Entwicklungszentrum für diese Intelligenz dient,
quasi als eine Fantasiewelt, in der das neue
Bewußtsein herumexperimentieren kann.
Zusammen mit Data
und Worf geht sie ins Holodeck, um dort mehr in
Erfahrung zu bringen. Es zeigt sich, daß der Zug
nach "Keystone City" unterwegs ist, wovon
der Gangsterboß sagt: "An diesem Ort beginnt
alles." Dort angekommen, folgen ihm Deanna und
die anderen, da er noch den Ziegelstein des
Schaffners bei sich hat, in die Stadt. Während Data
Zugriff auf das Energiegitter nimmt, um die Knoten zu
depolarisieren, folgen Deanna und Worf dem Mann, der
den Stein bald darauf in eine Lücke in einer Mauer
einfügt. Dabei erklärt er, daß er das Fundament
legt. Anschließend geht er zum Zug zurück.
Nachdem die
Enterprise unter Warp gegangen ist, registriert
Geordi im Frachtraum 5 einen Druckabfall, empfängt
gleich darauf merkwürdige Energieanzeigen.
Indes depolarisiert
Data die Knoten, doch sofort wird das ganze Schiff
durchgeschüttelt, die Lageregelung versagt, bis Data
den Vorgang abbricht.
In einer weiteren
Besprechung wird klar, daß das Schiff sich, wie
zuvor, selbst geschützt hat. Deanna meint, es würde
im Holodeck wie ein Kind die Welt entdecken und
versuchen, zu lernen. Also könnte man am ehesten
dort Einfluß auf die Ereignisse nehmen.
Wieder im Holodeck, erfährt sie, daß der Zug nach
Vertiform City fährt. Glücklicherweise hat Worf
Fahrkarten organisiert, so daß der Schaffner die
drei nicht hinauswirft. Worf bietet seine Hilfe an
und wird vom Schaffner gebeten, im Kesselraum Kohlen
zu schaufeln. Als er das tut, bemerkt Riker auf der
Brücke, daß der Warpenergieabfall, den Geordi kurz
zuvor festgestellt hatte, wieder rückgängig gemacht
ist. Die Enterprise hat wieder auf Warp beschleunigt
und nimmt Kurs auf Tambor Beta VI, einen weißen
Zwergstern. Dort angekommen, sammelt das Schiff alle
vorhandenen Vertionpartikel ein.
Die Partikel werden
direkt nach Frachtraum 5 gebeamt, wo Geordi
mittlerweile eine merkwürdige Struktur entdeckt hat,
die sich dort bildete, als der Holozug in
"Keystone City" ankam. Während die
Struktur die Vertion-Partikel aufnimmt, wächst sie,
und Geordi entdeckt, daß sie über eine interne
Energiequelle verfügt. Er erkennt, daß es sich dem
Trikorder nach um organisches Material handelt, also
um eine Lebensform, die hier entsteht. Doch als der
Vertion-Vorrat abgebaut ist, kommt es zu
Fluktuationen, das Wachstum ist vorbei.
Offensichtlich braucht die Lebensform neue
Vertion-Partikel.
Das scheinen die
Knoten auch zu wissen, denn die Enterprise
beschleunigt auf maximum Warp und nimmt Kurs auf das
Kordanas-System, wo es einen weiteren weißen
Zwergstern gibt. Geordi erläutert, daß weiße
Zwergsterne die einzigen natürlichen Quellen für
jene Partikel sind. Der Flug dorthin wird etwa zwölf
Stunden dauern; gerade genug, daß die neue
Lebensform bis dahin am Leben bleibt.
Problematischerweise wurde sämtliche Energie zum
Antrieb transferiert - auch die der Lebenserhaltung,
und der Sauerstoffvorrat reicht nur noch für zwei
Stunden. Doch Geordi fällt ein, daß man
Vertion-Partikel auch künstlich erzeugen kann. Der
nahe der Flugroute gelegene McPherson-Nebel könnte
die entsprechenden Partikel produzieren, wenn man
einen modifizierten Torpedo hineinschießt.
Also muß Data auf
dem Holodeck den Schaffner überzeugen, die Route zu
ändern und das Schiff anzuhalten, was ihm gelingt.
Als man angekommen ist, feuert Geordi den Torpedo ab,
und wie erhofft bilden sich Vertion-Partikel im
Nebel. Das Schiff sammelt sie ein und beamt sie wie
zuvor in den Frachtraum. Die Lebensform wächst
weiter, beginnt dann zu schweben und verläßt das
Schiff. Gleichzeitig deaktivieren sich alle Knoten
von selbst, so daß die Crew wieder volle Kontrolle
über die Enterprise hat.
Es läßt sich nicht
erkennen, wo die Lebensform hinfliegt, und so macht
man sich auch nicht auf die Suche nach ihr.
Später betritt Data
den Raum des Captains und lädt ihn zu einer
Aufführung von "Der Sturm" ein.
Anschließend fragt er den Captain, weshalb Picard
der Lebensform erlaubt hat, zu wachsen und das Schiff
zu gebrauchen, obwohl unklar war und ist, ob das neue
Leben gut oder schlecht ist, ob es vielleicht sogar
eine Gefahr für die Enterprise darstellt.
Picard erläutert, daß die Lernphase der Lebensform
geprägt war von den Aufzeichnungen und
Holodeckprogrammen, die die Computer der Enterprise
enthalten, also auch alle Missionsberichte etc. Und
wenn all dies gut sei, dann müßte doch die Summe
davon ebenfalls gut sein, und somit auch die
Lebensform, die daraus gelernt hat.
Bewertung
"Neue
Intelligenz" ist eine sehr interessante Episode.
Denn genau genommen kam nicht eine einzige neue Idee
darin vor, sondern sie wirkte wie ein Zusammenschnitt
diverser TNG-Episoden, mit gewissen Einflüssen aus
TOS noch dazu. Und trotzdem bleibt sie bis zum
Schluß sehenswert und interessant.
Gleich zu Beginn
gibt es eine schöne Theaterszene mit Data, der
unermüdlich wie immer seine Rolle lernt und sich von
Picard, der ja erklärter Shakespeare-Fan ist, Tips
und Ratschläge geben läßt. Es steht zu vermuten,
daß diese Szene, wie auch in anderen Episoden, auf
die Inspiration Patrick Stewarts (Picard)
zurückzuführen ist, der als Mitglied der Royal
Shakespeare Company auch privat den selben
Lieblingsautor wie Captain Kirk haben dürfte.
Natürlich wird am Ende noch einmal auf diese Szene
Bezug genommen: Data wählt eine Stelle aus, in der
es um eine erste Begegnung mit anderen Lebewesen
geht, was gut zur Episode paßt.
Die
Holodeck-Fehlfunktion, als der Orient Express
vorbeirauscht, erinnert u.a. an "Das
Schiff in der Flasche" oder auch "Eine
Handvoll Datas"; in beiden Episoden ließen
sich die Fehlfunktionen zunächst nicht erklären.
Die Möglichkeit, das Schiff vom Holodeck aus zu
steuern, gab es u.a. in "Sherlock
Data Holmes"
sowie "Die Reise ins Ungewisse".
Darüber hinaus ist
die neue Intelligenz, die aus der Enterprise heraus
entsteht, eine Mischung aus "Datas Hypothese",
wo Data der Meinung war, bei den Exocomps, neuartigen
Arbeitsrobotern, handele es sich um eine Lebensform,
sowie "Sherlock Data Holmes", wo die
bereits erwähnte Holodeck-Fehlfunktion dazu führte,
daß Professor Moriarty, eine Holofigur, ein
Bewußtsein bekam.
Auch den Verlust der
Steuerkontrolle aus unerklärlichen Ursachen gab es
bereits mehrfach. So bleibt die Frage, weshalb man
sich "Neue Intelligenz" überhaupt
anschauen soll.
Für die Episode spricht die gute Inszenierung, bei
der der Zuschauer nur soviel weiß, wie die
Charaktere, so daß er der Lösung genauso gespannt
entgegen fiebert wie Picard mit seiner Crew.
Und die Verkettung all dieser bekannten Elemente ist
ebenfalls einigermaßen gelungen, so daß sich diese
Episode denn doch aus der breiten Masse erhebt,
immerhin geht es ja darum, daß die Enterprise
gewissermaßen ein Kind bekommen hat, auch wenn
dieser Vergleich in der Episode nicht angestellt
wird.
Womit wir bei der
Logik wären: natürlich kann man sich im Rahmen des
Trek-Universums vorstellen, daß ein derart komplexes
System wie ein Schiff der Galaxy-Klasse eine Art
Intelligenz darstellt bzw. einen Überlebensinstinkt
entwickelt, woraus die Flucht vor der
Thetaflußverzerrung resultiert.
Doch wird nicht geklärt, weshalb sich wie aus dem
Nichts diese ganzen Knoten bilden, die urplötzlich
diverse Schiffssysteme miteinander verbinden und
schon zu Beginn ihrer Existenz bestrebt sind, sich
selbst zu schützen (=> das Kraftfeld, das Data
und Geordi daran hinderte, den ersten entdeckten
Knoten zu untersuchen). Aus welchem Grund schaffen
diese Knoten eine intelligente Lebensform, die
anschließend mir nichts, Dir nichts verschwindet?
Crusher erläutert zumindest, daß es Lebensformen
gibt, deren Existenz nur den Sinn hat, Nachfahren zu
zeugen; ist diese Aufgabe erledigt, sterben sie. Um
eine solche Form von Intelligenz scheint es sich wohl
bei den Knoten auch zu handeln. Erfreulicherweise
bleiben die gerade gestellten Fragen auch für die
Crew unbeantwortet, so daß zumindest jeder weiß,
daß er eigentlich nichts weiß.
Schön ist dann auch
die Schlußszene mit Picard und Data, wo Picard seine
Hoffnung erläutert, daß die neue Lebensform, die
geschaffen wurde, etwas Gutes ist, da sie ja aus den
Erfahrungen der Crew und des Schiffes gelernt hat,
und diese sollte man wohl als positiv bezeichnen.
Ein angenehmer
Nebeneffekt ist, daß die lieb gewonnene Enterprise D
in gewissem Maße eine Persönlichkeit erhält: das
Schiff hat, auf welche Weise und aus welchem Grund
auch immer, Leben hervorgebracht. Daß es beinahe die
gesamte Besatzung, die das Schiff ja tragen und
beschützen soll, umgebracht hätte, weist darauf
hin, daß die Enterprise sich nicht der Tatsache
bewußt ist, daß ihr Zweck nicht etwa das
Hervorbringen neuen Lebens, sondern vielmehr die
Beherbergung der Crew ist.
In charakterlicher
Hinsicht bietet die Episode wenig neues, jeder hat
seinen Teil zu arbeiten, und Data darf einmal mehr
eine humoristische Einlage bringen, als er auf dem
Holodeck den Zugang zu den Knoten mitten auf einer
Straße findet. Als dann ein Taxi angefahren kommt
und ihn erfassen will, stoppt er es kurzerhand mit
einem Arm, während er mit dem anderen
weiterarbeitet.
Auffällig ist noch,
daß Worf jede Gelegenheit nutzt, in Deannas Nähe zu
sein und sie zu beschützen. Seit "Parallelen" ist ihre Beziehung
merklich intimer geworden, wobei es sich noch nicht
um eine Liebesbeziehung handelt, aber man merkt doch,
daß die beiden Gefallen an einander gefunden haben.
Eine faszinierende
Reminiszenz an "Hotel Royal", zweite Staffel,
stellt der erste Besuch des Außenteams auf dem
Holodeck dar: damals waren Riker, Worf und Data in
einem Hotel gefangen, das auf einem Roman basierte
und von Aliens erschaffen wurde. Hier sind es wieder
die drei, die in einer ganz ähnlichen Situation
herauszufinden versuchen, was vorgeht. Ob dieser
Bezug bewußt herbeigeführt wurde oder nur ein
Zufall ist, bleibt unklar, da es keine direkten
Anspielungen gibt.
Markant:
Gastdarsteller Thomas Kopache, der hier einen
Ingenieur spielt, war bereits in "So nah und doch so fern",
fünfte Staffel, als Romulaner zu sehen.
Insgesamt läßt
sich sagen, daß "Neue Intelligenz" eine
interessante, obgleich zusammengeklaubte Episode ist,
die ihr Niveau vor allem durch die hintergründige
Erkenntnis der Intelligenz der Enterprise erreicht,
da sie in den meisten anderen Belangen eher als
durchschnittlich bezeichnet werden muß.
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