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  2.24 Die Wahl des Kai  
  The Collaborator  
 

von Sylvia Gerlach

 
 
 

Episodenbeschreibung

Auf Bajor steht die Wahl zum Kai unmittelbar bevor. Vedek Bareil, der zu den Favoriten zählt, weil Opaka ihn zu ihrem persönlichen Nachfolger bestimmt hatte, verbringt die letzten Tage vor der Wahl bei Kira auf Deep Space Nine. Obwohl seine Wahl zum Kai so gut wie sicher ist, wird Bareil von Selbstzweifeln geplagt, weil er glaubt, nicht Opakas Format erreichen zu können.

Auch Vedek Winn ist auf der Station. Vor der Schule kommt es erneut zu Reibereien zwischen ihr und Kira. Bareil gegenüber ist sie jedoch zurückhaltend und geht sogar so weit, ihm zu schmeicheln.

Ein alter Bajoraner kommt auf der Station an. Er wird von einem Passanten als Kubus Oak erkannt, ein Sekretär, der während der cardassianischen Besetzung Bajors für die von den Cardassianern eingesetzte Regierung arbeitete. Odo, der den Aufruhr auf der Promenade bemerkt, verhaftet Kubus.

Unterdessen führt Odo ein Gespräch mit Kubus. Kira kommt hinzu und verweigert Kubus seine Bitte, nach Bajor zurückkehren zu dürfen. Nach Ende der Besatzung wurde die Ilvianische Proklamation verabschiedet. Hierbei handelt es sich um eine Liste mit Kollaborateuren, denen eine Wiedereinreise nach Bajor verboten wurde. Kubus ist auf dieser Liste die Nummer 4. Kira führt weiter aus, dass seine Rückkehr nach Bajor eine Entehrung des Mahnmals für diejenigen wäre, die gestorben sind, weil er sich nicht weigerte mit der cardassianischen Besatzungsmacht zusammenzuarbeiten.

Indessen sucht Winn Sisko auf. Sie schmeichelt ihm und bittet ihn, vor der Vedek-Versammlung gemeinsam mit ihm zu sprechen. Benjamin ist in seiner Rolle als Abgesandter der Propheten damit einverstanden. Er will in der nächsten Woche mit ihr gemeinsam vor den Vedeks auftreten. Einen Zeitpunkt vor der Wahl, so wie Winn es erbittet, hält er mit seiner Rolle als Sternenflottenoffizier nicht für vereinbar, da es sich bei der Wahl des Kai um eine interne bajoranische Angelegenheit handelt und sein Sprechen mit Winn als Befürwortung deren Kanditatur zum Kai gewertet werden könnte.

Anschließend sucht Winn Kubus Oak auf. Die beiden führen ein Gespräch und nachdem Winn einige Nachforschungen angestellt hat, gewährt sie Kubus persönliches Asyl. Sie lässt ihn an Bord ihres Schiffes bringen, um mit ihm nach Bajor aufzubrechen. Kira, die von Odo über die Vorgänge informiert wurde, verhindert den Abflug jedoch. Die beiden finden heraus, dass Winn Informationen über Prylar Bek anstellte, der als Verantwortlicher für das Massaker im Kendra Valley auf Bajor gilt. Ein Kollaborateur in der Vedek-Versammlung hatte den Aufenthaltsort einer Widerstandszelle an die Cardassianer verraten. Die 43 Widerstandskämpfer, einer von ihnen der Sohn von Kai Opaka, wurden von den Cardassianern hingerichtet. Prylar Bek, der zu der Zeit Verbindungsmann zwischen der Vedek-Versammlung und den Cardassianern war, erhängte sich auf der Promenade. Dies wurde allgemein als schlechtes Gewissen wegen seines Verrats gewertet. Odo, der Prylar Bek kannte, merkt an, dass er stets den Eindruck hatte, dass dieser ein guter Mann war.

Winn sucht Kira auf, als sie erfährt, dass ihr Schiff nicht starten darf. Es kommt zu einer weiteren Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen, in der Kira schließlich die Oberhand behält, indem sie vorschiebt, einen zeitraubenden Scan an Winns Schiff durchführen zu müssen, der es Winn unmöglich machen würde, rechtzeitig zur Wahl auf Bajor einzutreffen.

Winn beauftragt Kira nunmehr damit, die Wahrheit über das Kendra Valley-Massaker herauszufinden. Kubus gibt bei seinem Gespräch mit ihr an, dass es sich bei Prylar Bek nur um eine Marionette gehandelt habe, die zum Schutz des tatsächlichen Kollaborateurs geopfert wurde. Der wahre Verräter sei Vedek Bareil gewesen. Kira reagiert sehr heftig auf die Vorwürfe gegen ihren Geliebten und unterstellt Winn, Ränke gegen Bareil zu schmieden, während diese behauptet, nur zum Wohle Bajors zu handeln. Die Auswirkungen wären unvorstellbar, sollte ein Kollaborateur zum Kai gewählt werden. Ihr ginge es nur um die Wahrheitsfindung und um die Reinwaschung von Bareils Namen. Kira stimmt zu, die Wahrheit herauszufinden. Im Gegenzug verlangt sie von Winn, dass keine offenen Anschuldigungen gegen Bareil ausgesprochen werden, bis sie mit ihrer Untersuchung fertig ist. Zum Abschluss des Gespräches bedroht Winn Kira, nie wieder in derart respektlosem Ton mit ihr zu reden.

Kira verhört Kubus. Der erzählt, dass sein Quartier auf Terok Nor neben dem von Prylar lag. Am Abend nach dem Massaker besuchte Bareil Prylar in dessen Quartier. Durch die Wände konnte Kubus eine heftige Diskussion hören. Nach einigen Stunden verließ Bareil das Quartier wieder. Am nächsten Morgen erhängte Prylar sich.

Kira befragt Bareil, der jede Beteiligung an dem Massaker abstreitet. Er gibt an, Prylar habe eine Krise gehabt und er selber habe ihn in seiner Funktion als Vedek aufgesucht. Er will auch keine weiteren Angaben über den Gesprächsinhalt machen, weil dies unter seine Schweigepflicht falle.

Gemeinsam mit Odo will sie die Kommunikations-Dateien von Deep Space Nine einsehen um festzustellen, wer den Aufenthaltsort der Widerstandskämpfer preisgab. Die Cardassianer haben jedoch alle Dateien gelöscht, bevor sie die Station aufgaben. Daraufhin wollen die beiden die Dateien von der anderen Seite der Vebindung, also der Vedek-Versammlung her, einsehen. Leider müssen sie feststellen, dass die Dateien für den Zugriff gesperrt wurden, was sie veranlasst, sich an Quark zu wenden. Der Ferengi soll für die beiden in das Archiv der Vedek-Versammlung einbrechen und die Daten so verfügbar machen. Quark willigt schließlich ein, muss jedoch feststellen, dass die Dateien gelöscht wurden.

Kira ist jedoch noch nicht bereit aufzugeben. Sie begibt sich zur Ops und bespricht sich mit Miles O'Brien. Der sagt, dass eine Rekonstruktion der gelöschten Dateien aus noch vorhandenen Fragmenten möglich wäre, aber mehrere Wochen in Anspruch nehmen würde, was für Kiras Zwecke jedoch zu spät ist, da sie die Ergebnisse vor der Wahl zum Kai braucht.

Miles schlägt stattdessen vor herauszufinden, wer die Dateien gelöscht hat. Er hält dies für einfacher zu bewerkstelligen, weil ein einziges Fragment des Netzhautscans genügt um denjenigen, der die Dateien gelöscht hat, zu identifizieren. Der Versuch gelingt. Es finden sich Bruchteile des Netzhautscans, die aufzeigen, wer die Dateien gelöscht hat: Bareil.

Kira konfrontiert Bareil mit ihrem Wissen. Sie macht ihm bittere Vorwürfe dafür, dass er am Tod von 43 Widerstandskämpfern Schuld ist und mit den Cardassianern kollaboriert hat. Er erklärt ihr, dass die Cardassianer den Widerstand im Kendra Valley mit allen Mitteln beenden wollten. Hätte ihnen niemand den Aufenthaltsort der Widerstandszelle verraten, hätten sie jedes Dorf im Valley ausgelöscht, was den Tod von über 1200 unschuldigen Bajoranern zur Folge gehabt hätte. Kira kann seiner Argumentation jedoch nicht folgen und beendet die Beziehung.

Kurze Zeit später kontaktiert Winn Kira. Die Vedek teilt Kira mit, dass Bareil seine Kandidatur zurückgezogen hat. Sie gratuliert Kira zu ihrer erfolgreichen Untersuchung und hält eine Offenbarung der Ergebnisse der Untersuchung nicht für erforderlich, da Bareil ja nun nicht mehr Kai werden kann.

Kira fliegt nach Bajor zur Vedek-Versammlung. Winn wurde an Stelle von Bareil zur Kai gewählt. Die neugewählte Kai drückt ihre Hoffnung aus, dass Kira eines Tages begreifen wird, dass die beiden Frauen keine Feinde sind. Ihre gemeinsame Rede mit Sisko sagt sie ab.

Kira trifft erneut auf Bareil. Sie hat inzwischen herausgefunden, dass Bareil nicht der Kollaborateur sein konnte, weil er zur fraglichen Zeit nicht in der Vedek-Versammlung war, sondern in einem von der Außenwelt abgeschotteten Kloster. Er hatte überhaupt keine Möglichkeit, den Aufenthaltsort der Widerstandszelle zu verraten. Kira ist überzeugt, dass er Opaka schützt, die tatsächlich die Kollaborateurin war, denn nur sie wusste, wo die Gruppe sich aufhielt, weil ihr eigener Sohn dabei war.

Bareil gibt das zu. Er hielt es für seine Pflicht, Opaka zu schützen, die ihren eigenen Sohn opferte, um 1200 unschuldige Bajoraner zu retten.

Kira und Bareil versöhnen sich wieder und beschließen, Winn auf dem beschwerlichen Weg, auf den sie die Bajoraner sicher führen wird, zu unterstützen.

Bewertung

Die Wahl des Kai zählt zu den handlungsintensiven Folgen. Hier ist am Ende nichts so, wie es am Anfang scheint. Während vordergründig die Geschichte um das Kendra Valley-Massaker auf Bajor erzählt wird, laufen im Hintergrund Vorgänge ab, die für die Zukunft Bajors absolut wegweisend sind. Vedek Winn intrigiert sich geschickt in die machtvollste Position Bajors, der des Kai und damit verändert sich auch der Weg, den Bajor im Laufe der nächsten Jahre gehen wird. Anstelle des Pro-Föderation eingestellten Bareil lenkt nun die der Föderation abgeneigt gegenüberstehende Winn die Geschicke des Planeten, was Sisko seine Aufgabe, Bajor auf eine Mitgliedschaft in der Föderation vorzubereiten, erheblich erschwert. Hiermit haben die Produzenten einen hervorragenden Schachzug ausgeführt. Durch Winn an der Spitze Bajors schufen sie langfristiges Konfliktpotenzial, das der Serie sehr gut getan hat. Außerdem kratzen die Produzenten hier mutig an den Heiligenscheinen der Sympathieträger, während sie gleichzeitig Winn zu einem sympathischen Gegenspieler entwickeln. Denn eines kann man Winn an keiner Stelle der gesamten Serie nachsagen - dass sie irgendwann mal nicht das Wohl ihres Volkes im Auge hatte.

Kira kommt in dieser Folge nicht gut weg. Sie verhält sich Winn gegenüber provozierend und angriffslustig, so dass sie sich die Drohung Winns in der Mitte der Folge selber zuzuschreiben hat. Außerdem lässt ihr Vertrauen in ihren Partner doch sehr zu wünschen übrig. Alleine die Tatsache, dass er die fraglichen Dateien gelöscht hat genügt ihr, von seiner Schuld überzeugt zu sein. Erst als er seine Kandidatur zurückzieht, stellt sie seine Schuld wieder in Frage.

Auch an Opakas Image wird hier gekratzt. Schlussendlich war sie es, die mit den Cardassianern kollaborierte, wenn auch um viele Unschuldige zu retten. Nach Kiras Definition von richtig und falsch verhielt Opaka sich also falsch - aber so einfach ist das mit Richtig und Falsch dann wohl doch nicht.

Diese Folge enthält auch deutliche Hinweise darauf, dass es mit Bareil kein gutes Ende nehmen wird. In den Drehkörper-Erfahrungen, die er durchlebt, wird sein bevorstehender Tod angedeutet.

Und so ist am Ende tatsächlich nichts, wie es erscheint. Opaka ist die Kollaborateurin und nicht die uneingeschränkte Lichtfigur, als die sie verehrt wird. Bareil wird nicht Kai sondern Winn. Und Kiras Beziehung zu Bareil ist nicht so fest, wie es zuerst den Anschein hat.

Zusammenfassend ist die Folge mit 5 Punkten zu bewerten. Die Handlung lässt nichts zu wünschen übrig, was mit 6 Punkten zu honorieren ist. Special-Effects sind praktisch nicht enthalten, was jedoch nicht zum Nachteil der Folge zu bewerten ist. Sie verfügt auch über genügend Spannung, um 4 Punkte in dieser Kategorie zu erhalten. Zwar glaubt niemand, dass Bareil tatsächlich der Kollaborateur ist, dennoch wird die Spannung gut erhalten, indem Kira wieder und wieder Rückschläge bei ihrer Suche nach der Wahrheit hinnehmen muss. Schließlich haben die Produzenten dann eine interessante Auflösung für die Spannung gefunden, indem sie die strahlende Figur der Opaka - wenn auch unter großen Opfern und aus verständlichen Gründen - zum Kollaborateur und damit zum Verantwortlichen für 43 Hinrichtungen gemacht haben.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  22. Mai 1994

 Erstausstrahlung D:
  20. September 1994

 Regie:
  Cliff Bole

 Buch:
  Gary Holland

 Gaststars:
  Philip Anglim
  Bert Remsen
  Camille Saviola
  Louise Fletcher
  Charles Parks
  Tom Villiard



  Zuletzt geändert:
  2015-03-23, 03:31
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