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TOS 1.21 Landru und die Ewigkeit


The Return of the Archons

Review: Matthias Weber
Statistik: Elisabeth Leidenfrost

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 3156,2
Die Enterprise befindet sich im Orbit des Planeten Beta III. Vor 100 Jahren verschwand hier das Raumschiff Archon. Die Enterprise soll mehr über deren Verschwinden herausfinden. Sulu und Lt. O'Neil werden auf die Oberfläche geschickt. Sie müssen vor zwei Gestalten flüchten, die in lange Kutten mit Kapuzen gehüllt sind. Sulu nimmt Kontakt mit Kirk auf der Enterprise auf und will sich und O'Neil hochbeamen lassen, doch O'Neil rennt vorher weg. Die zwei Gestalten treiben Sulu in die Enge und feuern mit einem seltsamen Rohr auf ihn, bevor er hochgebeamt wird. Sulu kann sich jetzt nicht mehr daran erinnern wie er heißt und wer er ist. Wie ausgewechselt erscheint er und redet wirres Zeug von Frieden, Glück und einem gewissen Landru.
Um herauszufinden was mit Sulu los ist und wo O'Neil geblieben ist, beamt Kirk mit einem Außenteam auf den Planeten. Die Kultur der Planetenbewohner entspricht der des 19. Jahrhunderts auf der Erde. Man trifft auf sehr freundliche Menschen, die aber alle genau wie Sulu einen leicht abwesenden Gesichtsausdruck haben. Die Bewohner reden von einem bevorstehenden Fest. Die Männer des Außenteams geben sich als Fremde aus, die nur zu Besuch in der Stadt sind. Ein Passant empfiehlt ihnen Regers Haus als Unterkunft. Plötzlich schlägt die Uhr 6 und die Einwohner der Stadt scheinen plötzlich übergeschnappt zu sein. Sie schreien wild durcheinander, richten in der Stadt starke Verwüstungen an und greifen sich gegenseitig an.
Das Außenteam kann sich gerade noch in Regers Haus retten. Dort treffen sie auf Reger, Hacom und Tamar. Hacom ist misstrauisch gegenüber den Neuankömmlingen, während Reger und Tamar den Captain und sein Team freundlich aufnehmen und ihnen ein Zimmer anbieten. Das Außenteam schaut sich von diesem Zimmer aus das Fest an. Es dauert 12 Stunden, bis die Uhr wieder 6 schlägt, dann sind auf einmal wieder alle ganz ruhig und freundlich, wie zuvor.
Als Hacom erfährt, dass das Außenteam nicht am Fest teilgenommen hat, meldet er dies den Kutten tragenden Gesetzgebern, die auch prompt auftauchen. Hacom verrät den Gesetzgebern auch, dass Tamar zuvor über Landru gespottet hat, woraufhin Tamar von den Kuttenträgern getötet wird. Kirk verwirrt die Gesetzgeber mit für sie unerwarteten Fragen und das Außenteam kann mit Regers Hilfe fliehen.
Als man sich wieder auf der Straße befindet, bekommen die Passanten offenbar telepathisch den Befehl, das Außenteam aufzuhalten. Allerdings können Kirk und seine Männer die Bewohner mit Phasern betäuben. Unter ihnen entdecken sie auch O'Neil, der ähnlich wie Sulu offenbar einer von Landrus Anhängern geworden ist. Man nimmt den Lieutenant mit, hält ihn allerdings unter Betäubung, da Landru sonst von ihm den Aufenthaltsort des Außenteams erfahren könnte. Die ganze Gruppe versteckt sich in einem Unterschlupf von Reger.
Reger erzählt seinen Gästen, dass Beta III früher eine hoch technisierte Welt war, allerdings herrschte fast ständig Krieg. Dann kam Landru und führte die Bevölkerung in eine Zeit voller Frieden. Seither sind allerdings die Bewohner völlig willenlos und werden von Landru gesteuert. Als vor 100 Jahren die Besatzung der Archon auf dem Planeten strandete, störten sie die Ruhe und den Frieden, so dass Landru sie entweder absorbierte oder tötete. Aber es gibt auf dem Planeten eine kleine Untergrundbewegung von Leuten, die gegen das Absorbieren immun sind. Reger und Tamar waren zwei Mitglieder dieser Untergrundbewegung.

Plötzlich erscheint eine holografische Projektion von Landru, die erklärt, dass das Außenteam die Ruhe des Planeten stören würde und deswegen absorbiert werden müsse. Ultraschallwellen ertönen, die alle betäuben. Als man wieder aufgewacht ist, findet man sich in einer Art Gefängniszelle wieder. McCoy und ein Sicherheitsmann des Außenteams wurden bereits absorbiert. Sie reden wie Sulu und O'Neil nur noch von Ruhe, Frieden und Landru. Dann kommen die Kuttenträger und nehmen Kirk mit. Schließlich kommt Spock an die Reihe. Er wird in einen Raum gebracht, der mit viel Technik ausgestattet ist. Es handelt sich offenbar um den Absorbtionsraum. Dort trifft der Vulkanier auf Kirk, der offenbar auch absorbiert wurde. Die Gesetzgeber bringen Kirk wieder in die Zelle, während ein Mann das Absorbtionsgerät bedient. Als dieser mit Spock allein ist, befreit er diesen und erklärt ihm, dass er Marplon heiße und ebenfalls Mitglied der Untergrundbewegung sei.
Er sei leider zu spät gekommen, um McCoy noch zu helfen, Kirk allerdings habe er vor der Absorption retten können, dieser täusche die Symptome nur vor. Marplon schärft Spock ein, sich ebenso zu verhalten, damit niemand Verdacht schöpft. Daraufhin wird Spock zurück in die Zelle gebracht. Als Kirk, Spock und Reger sich beraten wie sie weiter vorgehen wollen, schöpft McCoy Verdacht und alarmiert die Wachen. Der Doktor muss von Kirk niedergeschlagen werden. Als die Wachen kommen, können Kirk und Spock sie überwältigen. Die beiden ziehen die Kutten der Wachen über und folgen Marplon, der sie zu Landru führt.
Man betritt eine Audienzhalle und es stellt sich heraus, dass Landru schon lange tot ist. Zuvor hatte er jedoch einen Computer mit seiner gesamten Weisheit programmiert, der daraufhin den Planeten regierte.
Der Computer gibt als wichtigstes Gebot das Wohl der Menschen an. Kirk kann die Maschine davon überzeugen, dass er selbst gegen dieses Gebot verstößt, indem er die Bevölkerung unterdrückt. Das führt zu einer Überlastung des Computers, der schließlich implodiert. Danach ist die Bevölkerung des Planeten und die Crew der Enterprise wieder frei. Lt. Lindstrom wird mit einem Team abgesetzt, um den Bewohnern bei der Bewältigung ihres völlig neuen Lebens zu helfen.




Bewertung

"Landru und die Ewigkeit" beinhaltet eine für Star Trek sehr wichtige Aussage, nämlich die, dass das Wohlergehen eines Individuums genau den gleichen Stellenwert hat wie das Wohlergehen einer ganzen Gesellschaft. Es sollte nicht die letzte Folge sein, in der dieses Thema aufgegriffen wird. Landru hat eine Gesellschaft aufgebaut in der kein Krieg, keine Gewalt, kein Verbrechen, kein Hass existiert. Das Resultat dieser idyllische Welt ist das Wohlergehen des einzelnen Individuum, das allerdings unwichtig für Landru ist. Er ist bedenkenlos bereit einige Menschen zu opfern, damit die Gesellschaftsform an sich überleben kann. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, der zur Zeit des Drehs der Folge herrschte, kann man Landrus Gesellschaftsordnung durchaus als Parallele zum Kommunismus sehen, der nach dem Verständnis der Amerikaner in jener Zeit jegliche Individualität unterdrückte, im Gegensatz zur westlichen Welt.
Kirk hingegen vertritt natürlich den Standpunkt des amerikanischen Freiheitsdenkens. In der neuen Gesellschaft, die der Sternenflottencaptain durch sein Eingreifen schafft, geht es zwar bei weitem nicht so harmonisch zu wie in Landrus seelenloser Welt, dafür können sich die Menschen aber entwickeln und ihre Freiheit ausleben. Landrus Welt hingegen ist unbeweglich und tritt auf der Stelle.
Soweit eine sehr interessante Ausgangsposition, aus der eine Folge mit hitzigen Diskussionen hätte werden können. Doch das ist hier leider nicht der Fall. Dabei wäre der Gedankenaustausch über eine streng kontrollierte Gesellschaftsform an sich hochinteressant gewesen. Bereits im Pilotfilm "Der Käfig" führte die Inaussichtstellung eines gut versorgten, aber praktisch versklavten Lebens dazu, dass der (weibliche) Erste Offizier die Diskussion schließlich mit der Explosion seines Phasers beenden will.

Stattdessen plätschert die Handlung hier langsam vor sich hin, ist alles andere als spannend, und es wäre nicht verwunderlich, wenn einige Zuschauer sich an den Mittelteil der Folge nicht erinnern könnten, weil sie erst wieder beim Abspann aufgewacht sind. Die Story wurde wie ein alter Kaugummi in die Länge gezogen und die Inszenierung ist allenfalls mittelmäßig. Sie strotzt darüber hinaus auch vor Ungereimtheiten, wovon die auffälligste das "Fest" der Stadtbewohner ist. Wozu diese 12 Stunden lang ihre Heimat verwüsten und sich letztlich schwere körperliche Gewalt antun, wird nicht erklärt und der Zuschauer kann nur den Kopf schütteln und mutmaßen, warum ausgerechnet ein Computer (Landru) seine sonst so friedlichen Schäfchen dazu treibt.

Das einzig Interessante an der ganzen Folge ist die erstmalige Erwähnung der Hauptdirektive, später auch Oberste Direktive genannt. Passenderweise beachtet sie Kirk aber schon bei ihrer ersten Erwähnung nicht und umgeht sie mit der fadenscheinigen Begründung, dass es sich hierbei um keine lebende Gesellschaft handelt (wie auch immer das definiert sein soll). Dabei ist eigentlich genau das der Sinn der Hauptdirektive, sie soll ja gerade verhindern, dass ein Sternenflottenmitglied seine eigenen moralischen oder politischen Ansichten einer völlig fremden Spezies aufdrängt und damit eine Kontamination der fremden Gesellschaft mit nur allzuoft irreparablen Schäden hervorruft.

Wie in 1.08: Miri, ein Kleinling, handelt es sich bei Beta III um eine Parallelwelt der Erde. Während sich in Miri die Enterprise-Crew noch darüber wunderte, scheint das hier niemanden mehr zu stören.

Scotty erhält hier zum ersten Mal das Kommando über die Enterprise. Diese Aufgabe wird ihm in Zukunft noch öfters zufallen.

Die Auflösung der Folge ist seit langem die schwächste. Der Anführer Landru entpuppt sich als ein durchgeknallter Computer, der von Kirk solange vollgequatscht wird, bis es ihm zu blöd ist und er durchbrennt. Da hatten wir schon originellere Showdowns.

In dieser Folge gibt es ein Wiedersehen mit zwei der wichtigsten Rothemden der Serie, Lieutenant Leslie und Lieutenant Galloway. Hingegen neu dabei sind Lieutenant O'Neil, gespielt von Sean Morgan und Yeoman Tamura (im Deutschen: Corporal Tamara), gespielt von Miko Mayama, die beide noch ein weiteres Mal zu sehen sein werden.
Das Drehbuch stammt dieses Mal von Autor Boris Sobelman, der nur dieses eine Mal für die Serie arbeitete. Sein Drehbuch basiert auf einer Idee von Gene Roddenberry.
Regie führte Stammregisseur Joseph Pevney.

Die deutsche, im Auftrag von Sat.1 hergestellte Version, enthält alle Originalszenen und ist größtenteils zufriedenstellend. Lediglich mit dem Begriff "prime directive" (die hier zum ersten Mal erwähnt wird), konnte man wohl wenig anfangen, stattdessen lautete der Satz, indem Spock diese erwähnt "Sie wissen doch, unser Befehl lautet Nichteinmischung!". Daraus wird nicht klar, dass die Sternenflotte eine Oberste Direktive hat, die die Einmischung verbietet. Es erscheint eher so, als habe man an oberster Stelle speziell für diesen Fall entschieden, sich nicht einzumischen.
Aus Yeoman Tamura wurde im Deutschen Corporal Tamara. Die Überstzung von "Yeoman" machte schon bei Janice Rand Probleme, die Bezeichnung Corporal wurde bereits dort eingeführt. Warum gleich noch der Name mitgeändert wurde, bleibt aber unklar.
Bei der DVD-Version wurde lediglich eine Pausenausblendung wieder eingefügt.

Spannung kommt bei der ganzen Folge kaum auf. Special Effects sind praktisch nicht vorhanden, für die Kulissen verwendete man die Stadtkulissen der Desilu Studios, die schon in 1.08: Miri, ein Kleinling zum Einsatz kamen. Die Handlung beleuchtet zwar einen interessanten Aspekt, vermag ansonsten aber nur zu langweilen und hat mit der haarsträubenden Auflösung auch nur eine mangelhafte Bewertung verdient.
Insgesamt nun wahrlich kein Highlight, im Gegenteil, auf der Hitliste der schlechtesten Folgen der ersten Staffel hat die Folge einen Top 5-Platz sicher.

Spannung: 2 SFX: 2 Handlung: 2 Gesamt: 2
Zusammenhänge

Eine ganze Reihe der Gastdarsteller dieser Folge hatten in der Originalserie noch weitere Auftritte.

Eddie Paskey ist dieses Mal zum 3. Mal als Lieutenant Leslie mit von der Partie. Sein letzter Auftritt war in Folge 1.13: Kodos, der Henker. Das nächste Mal wird er in 1.24: Falsche Paradiese zu sehen sein. Eddie Paskey spielt außerdem einen Eminianer in 1.23: Krieg der Computer.

David L. Ross spielt in dieser Folge zum 3. Mal als Lieutenant Galloway mit. Er war das letzte Mal in Folge 1.16: Notlandung auf Galileo VII zu sehen. Sein nächster Auftritt ist in Folge 1.23: Krieg der Computer. David L. Ross spielt außerdem die Rolle von Lieutenant Johnson in der Folge 3.07: Das Gleichgewicht der Kräfte.

Miko Mayama spielt Yeoman Tamura nicht nur in dieser Episode, sondern auch in 1.23: Krieg der Computer.

Lieutenant O'Neil, gespielt von Sean Morgan, taucht noch einmal in Folge 3.09: Das Spinnennetz auf. Außerdem spielt Sean Morgan Ensign Harper in 2.24: Computer M5 und einen Ingenieur in 3.03: Der Obelisk.

Morgan Farley, hier als Hacom zu sehen, spielt in Folge 2.23: Das Jahr des roten Vogels den Marak-Schüler.

Den Darsteller des Tamar, Jon Lormer, sahen wir bereits in 1.0: Der Käfig (bzw. in 1.11/1.12: Talos IV-Tabu) als Dr. Theodore Haskins und wir werden ihn als alten Mann in der Folge 3.08: Der verirrte Planet wiedersehen.

Charles Macauley, hier als Landru zu hören, spielt in 2.14: Der Wolf im Schafspelz den Präfekten Jaris.

Ebenfalls ein Wiedersehen gibt es mit Ralph Maurer (Bilar) in Folge 2.21: Schablonen der Gewalt als SS-Mann.

Kirk darf seinem Hobby, Computer zur Selbstzerstörung zu überreden, erneut in 2.03: Ich heiße Nomad und 2.24: Computer M5 frönen.

In dieser Folge wurden die Stadt-Kulissen aus 1.08: Miri, ein Kleinling in abgeänderter Form wiederverwendet. Man wird sie außerdem noch in

wiedersehen.

Kleine TOS-Statstik
1. zerrissene Shirts von Kirk: 0
Kirks Shirt bleibt in tadellosem Zustand.
2. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 0
Die Frauen bleiben unbeeindruckt.
3. Spocks "Faszinierend": 1 mal
Spock setzt damit den aufgeregten Reger außer Gefecht.
4a. Spocks "logisch": 2 mal
Spock findet die Waffe - ein hohles Rohr ohne Mechanismus - faszinierend.
Ebenso bezeichnet er eine Lichttafel als faszinierend.

Außerdem:
Kirk findet Spocks Schlussfolgerung faszinierend, dass es sich bei Landru um eine Maschine handeln muss.
4b. Spocks "unlogisch": 0 mal
Spock findet hier nichts logisch.

Aber:
Allerdings ist er der Ansicht, dass Kirks Analyse die Planetenbewohner betreffend nicht einer gewissen Logik entbehrt.
5. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 1 mal
Spock bezeichnet das Fest und das seltsame Verhalten der Bewohner als ausgesprochen unlogisch.
6. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 0 mal
Alle leben noch, Jim.
7. tote Rothemden: 0
Die Rothemden bleiben diesmal verschont.
8. hysterisch kreischende Frauen: 0
Keine toten Besatzungsmitglieder diesmal.

Aber:
Tamar, einer der drei Männer aus der Untergrundbewegung wird von den Gesetzgebern getötet.
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Ausdruck vom: 08. 12. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tos1_21.htm