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Episodenbeschreibung
Sternzeit: unbekannt
Nach einem schweren und verlustreichen Einsatz auf Rigel VII fliegt die U.S.S. Enterprise
unter dem Kommando von Captain Christopher Pike zur nächsten Sternenflottenbasis. Auf dem
Weg dorthin kommt ein Notruf herein, von der S.S. Columbia, welche vor 18 Jahren auf dem
Planeten Talos IV abstürzte. Da es sich um einen automatischen Notruf handelt und es keine
Anzeichen für Überlebende gibt, lässt Pike den Kurs nicht ändern. Pike macht sich
unterdessen schwere Vorwürfe wegen dem Tod einiger Crewmitglieder auf der letzten Mission.
Er würde am liebsten den Dienst quittieren. Die Enterprise bekommt zur gleichen Zeit einen
weiteren Ruf von Talos IV, in dem es heißt, dass es 11 Überlebende gibt. Pike lässt den
Kurs ändern und fliegt nach Talos IV.
Auf Talos IV angekommen beamt Pike mit seinem Wissenschaftsoffizier Spock und einem
Außenteam auf die Oberfläche. Dort treffen sie auf ein Lager der Überlebenden. Dr. Boyce
stellt fest, dass alle Überlebenden in einer ungewöhnlich guten körperlichen Verfassung
sind. Unter den Überlebenden gibt es auch eine Frau, Vina, welche vor 28 Jahren beim
Absturz noch ein Kind war. Sie möchte Pike etwas zeigen und bringt ihn etwas weg vom Lager.
Plötzlich verschwindet sie, genau wie der gesamte Rest des Lagers. 2 Talosianer kommen
plötzlich aus einem Lift, welcher offenbar in die Erde hinabführt, betäuben Pike und
nehmen ihn gefangen. Der Rest des Außenteams kommt zu spät, um dem Captain noch zu helfen.
Sie kommen mit ihren Lasern nicht durch die Tür des Liftes.
Als Captain Pike erwacht, befindet er sich in einem Art Käfig unter der Oberfläche. Es gibt
auch noch andere Käfige, in denen viele verschiedene Lebensformen leben. Alles macht den
Eindruck, als ob er sich in einem Zoo für Außerirdische befinde. Einige Talosianer erscheinen
und unterhalten sich telepathisch über ihren neuen Gefangenen. Sie sehen Pike als Mitglied
einer primitiven Rasse an. Die Talosianer unterhalten sich nicht mit Pike und lassen ihn
nach einiger Zeit wieder allein. Allerdings verkünden sie noch, dass sie bald mit den
Experimenten an ihm beginnen können.
Auf der Enterprise hat der erste Offizier Nr. 1 eine Besprechung mit den
Führungsoffizieren einberufen. Man ist sich einig, dass die Talosianer übermächtige Wesen
sind, welche auf telepathische Weise anderen Lebewesen eine Scheinwelt vorspielen können. So
war auch das gesamte Lager der Überlebenden eine Illusion. Nr. 1 beschließt zu versuchen, mit
der großen Laserkanone die Tür des Lifts aufzuschießen.
Pike befindet sich plötzlich nicht mehr in seinem Käfig, sondern wieder auf Rigel VII. Eine
junge Frau kommt auf ihn zugerannt und möchte von ihm die Hilfe beim Kampf gegen ein Monster.
Pike erkennt Vina wieder, welche nun längeres Haar trägt. Er versteht, dass es sich bei dem
ganzen nur um eine Illusion der Talosianer handelt, doch Vina macht ihm klar, dass er trotzdem
die Schmerzen fühlen wird, wenn ihn das Monster verletzt. Pike spielt mit und lässt sich erneut
auf einen Kampf mit dem Monster ein und besiegt es. Nach dem Kampf finden sich die beiden in
Pikes Käfig wieder. Vina gesteht ihm, dass sie die einzige wirkliche Überlebende vor 18 Jahren
war und sie von den Talosianern gefunden wurde.
Der Versuch mit der Laserkanone durch die Tür des Lifts zu kommen, schlägt fehl und das
Außenteam kehrt auf die Enterprise zurück.
Inzwischen erfährt Pike von Vina ein wenig über die Geschichte der Talosianer. Sie führten vor
einigen Jahrtausenden Krieg und verwüsteten die Oberfläche des Planeten. Sie zogen sich
daraufhin unter die Oberfläche zurück und entwickelten dort ihre telepathischen und
illusorischen Fähigkeiten, da das Leben unter der Oberfläche beengt war. Somit lebten sie nur
noch in den Illusionen, die sie selbst schufen. Irgendwann ging das Wissen, wie man die
einfachsten Maschinen repariert, verloren und sie versuchten seither eine Rasse zu finden,
welche sie züchten können und als Sklaven für die Erhaltung ihrer Rasse einsetzen können. Die
Menschen haben sich bisher als die Widerstandsfähigsten herausgestellt. Da man jedoch auch
einen männlichen Teil für die Zucht brauchte, lockte man die Enterprise zum Planeten.
Der talosianische Wächter erscheint wieder und bestraft Vina, indem er ihr Schmerzen zufügt.
Sie verschwindet daraufhin aus Pikes Käfig. Er gibt Pike einen Nährstofftrunk und zwingt Pike
dazu ihn zu trinken. Pike stellt fest, dass die Talosianer Grenzen haben. Sie können ihm
beispielsweise keinen Hunger suggerieren. Auch werden sie durch sehr primitive Gedanken, wie
grenzenlose Wut blockiert. Als der Talosianer geht, befindet sich Pike schon in der nächsten
Illusion mit Vina. Er befindet sich wieder daheim auf der Erde und macht mit Vina ein Picknick.
Er fragt Vina erneut aus und erkennt bei dieser Illusion, dass die Talosianer den Fehler
gemacht haben nur in ihren Träumen zu leben, anstatt das reale Leben, mit all seinen schlechten
Seiten zu akzeptieren.
Da Pike bisher nicht auf sie reagiert hat, wollen die Talosianer Vina attraktiver für ihn
machen und sie verwandelt sich plötzlich in ein grünes Sklavenmädchen vom Orion, doch Pike
bleibt weiter standhaft. Als die beiden zurück in Pikes Käfig sind, beamen Yeoman Colt und
Nr. 1 herunter. Sie wollten eigentlich mit einem 6 Mann-Außenteam auf die Oberfläche beamen,
doch die Talosianer haben nur die beiden Frauen beamen lassen, damit Pike nun eine größere
Auswahl an Partnerinnen hat.
Pike nimmt die beiden Laser von Colt und Nr. 1, doch sie funktionieren nicht. Er wirft sie auf
den Boden und versucht seine Gedanken zu blockieren. Einige Zeit später will ein Talosianer
durch eine Schiebetür in der Seitenwand des Käfigs an die Laser heran, doch darauf hat Pike
nur gewartet, er bringt den Talosianer in seine Gewalt. Er glaubt, dass die Laser doch
funktionieren und es sich um eine Illusion handelt, dass in der Scheibe des Käfigs kein Loch
ist. Er droht damit den Laser am Kopf des Talosianers auszuprobieren und tatsächlich erscheint
plötzlich ein großes Loch inmitten der Glasscheibe. Pike ergreift mit seinen beiden Offizieren
und Vina, sowie dem Talosianer, als Geisel, die Flucht. Sie gelangen auf die Oberfläche und
müssen dort feststellen, dass das Enterprise Team mit seiner Laserkanone doch durch die Tür
des Lifts kam. Sie bemerkten es nur nicht, da es sich um eine Illusion der Talosianer handelte.
Spock, der inzwischen das Kommando über die Enterprise hat, hat beschlossen den Orbit zu
verlassen, da die Crew offensichtlich gegen die übermächtigen Talosianer nichts ausrichten kann.
Die Talosianer lassen dies jedoch nicht zu und legen die Instrumente der Enterprise lahm.
Da auch Pike und die anderen auf der Oberfläche nichts ausrichten können, haben die Talosianer
offensichtlich gewonnen, doch Nr. 1 überlädt ihren Laser, denn sie will lieber mit den anderen
zusammen sterben, als auf Talos IV eine neue Sklavenrasse zu gründen. Der Talosianer erkennt,
wie wichtig den Menschen die Freiheit ist. Das disqualifiziert die Menschen als Sklaven für
die Talosianer, da sie nie aufgeben würden, für ihre Freiheit zu kämpfen. Die Talosianer sind
nun dem Untergang geweiht. Pike bietet den Talosianern eine Zusammenarbeit an, doch der Wächter
gibt zu verstehen, dass dies nicht möglich ist, die Menschen würden die Fähigkeiten seines
Volkes erlernen und dann sich selbst vernichten.
Yeoman Colt und Nr. 1 kehren auf die Enterprise zurück und Pike sieht Vina nun in seiner realen
Gestalt, sie ist völlig entstellt. Die Talosianer fanden sie sterbend im Schiffswrack der
Columbia vor und flickten sie wieder zusammen, allerdings wussten sie nicht wie, da sie noch
nie einen Menschen gesehen hatten. Sie gaben Vina all die Jahre die Illusion eine schöne und
junge Frau zu sein. Vina entscheidet sich deswegen auf dem Planeten zu bleiben. Sie hat nun eine
Illusion, wie sie, wieder jung und schön, mit Captain Pike zusammen in die Höhlen zurückkehrt.
Der echte Pike kehrt auf die Enterprise zurück und fliegt mit seinem Schiff zur nächsten
Sternenflottenbasis.
Bewertung
"Der Käfig" ist ein interessantes, intellektuell anspruchsvolles Drama, über die
Gedankenmanipulation übermächtiger Wesen und über die moralischen Auswirkungen und Rechtfertigungen
von Gefangenschaft.
Schon in diesem Pilotfilm wird das außergewöhnliche an Star Trek deutlich. Die Handlung ist
deutlich kopflastiger, als bei vielen anderen Science Fiction Produktionen, bei denen außer viel
Geballer im Weltraum nicht viel dahinter steckt. Star Trek folgt auch nicht dem üblichen
klischéehaften Gut/Böse Schema der sonstigen TV-Landschaft. Obwohl "The Cage", im
Gesamtzusammenhang Star Treks betrachtet, sicher lediglich eine durchschnittliche Folge ist,
zeigt sie gut den Gedanken der hinter Star Trek steht. Wir haben es hier nicht mit einer simplen
"Hau drauf Action-Serie" zu tun. Die Serie folgt auch nicht dem "Vernichte das Böse Alien"-Schema
anderer Produktionen. Die Serie ist stattdessen bemüht, uns intelligente, hintergründige
Unterhaltung mit vielschschichtigen Charakteren zu liefern.
Dabei darf man zwar nie vergessen, dass Star Trek in erster Linie Unterhaltung darstellt und
deswegen auch den einen oder anderen TV-Konventionen folgen muss, jedoch ist Star Trek immer
darum bemüht etwas mehr zu bieten als nur Unterhaltung, die man ansieht und nach 30 Minuten
bereits wieder vergessen hat. Die Serie möchte gleichzeitig auch auf einer zweiten, etwas
tiefgründigeren Ebene funktionieren. Sie will zum Nachdenken anregen, brisante Themen anschneiden
und manchmal einen moralischen Fingerzeig für unsere Gesellschaft geben. Das alles schafft
bereits dieser erste Pilotfilm zumindest zum größten Teil.
Ganz deutlich ist in dieser Folge schon zu erkennen, dass hinter den Außerirdischen in Star
Trek deutlich mehr steckt, als nur die bösen Fremden, die die Menschheit vernichten wollen. Die
Talosianer, so unsympathisch sie den größten Teil der Folge wirken, sind intelligente Außerirdische,
welche sich mit nachvollziehbaren Problemen herumschlagen müssen und verständlich handeln. Sie
sind verzweifelt und greifen zu den letzten möglichen Mitteln, um etwas von ihrer Rasse zu
erhalten. Am Ende zeigen die Talosianer sogar noch ungeahnte Großzügigkeit, als sie Vina in einer
schönen Illusion weiterleben lassen, obwohl die talosianische Rasse dem Untergang geweiht ist. Dazu
passend wird der Konflikt mit den Talosianern nicht durch Gewalt, sondern durch das Einlenken des
fremden Volkes gelöst. Die Talosianer sind damit quasi das Paradebeispiel für die intelligenten,
mehrdimensionalen Aliens, welche man nicht nach 5 Sekunden als Böse abstempeln kann und die wir in
Star Trek zum größten Teil antreffen werden.
Gene Roddenberry präsentiert uns mit "The Cage" einen sehr ambitionierten Pilotfilm, der an manchen
Stellen allerdings etwas zuviel will. Der Film wirkt manchmal etwas langatmig. Roddenberry wollte
offensichtlich bereits aus der ersten Folge alles herausholen, was in der Serie an Potential
steckte. Der Vorwurf von NBC, der Film sei zu kopflastig scheint fast gerechtfertigt zu sein, obwohl
Fernsehsender natürlich gerne dazu neigen, die Intelligenz des TV-Zuschauers zu unterschätzen.
Trotzdem scheint die Handlung für einen Pilotfilm eher ungeeignet zu sein.
Wäre die Geschichte in einer 45 Minuten Episode erzählt worden, wäre die Episode vermutlich deutlich
besser geworden. Man hätte die Geschichte deutlich komprimieren müssen, sie wäre dadurch gestrafft
und damit auch spannender und handlungsorientierter geworden.
Ein anderer Grund für das Scheitern von "Der Käfig" mag sein, dass die Erwartungshaltung von NBC
nicht mit dem Ergebnis übereinstimmte. Roddenberry stellte das Star Trek Konzept NBC gegenüber als
Westernserie im Weltraum vor. Dies mag die NBC Verantwortlichen zwar sicher wohlwollend gestimmt
haben, da Westernserien in den 50er und 60er Jahren extrem erfolgreich waren, doch der dazu
vorgestellte Pilotfilm "The Cage" stimmte so ziemlich überhaupt nicht mit diesem Konzept überein.
Die NBC Verantwortlichen erwarteten eine actiongeladene Abenteuer-Folge und bekamen ein sehr
intellektuell orientiertes Charakterdrama mit gelegentlichen Action-Szenen.
"Der Käfig" benutzt ein typisches Science Fiction Konzept als Grundlage. Die Talosianer haben
einen verheerenden Krieg geführt, wodurch die Oberfläche des Planeten unbewohnbar wurde. Also
haben sie sich in Höhlen in den Untergrund zurückgezogen, dort entwickelten sie ihre geistigen
Fähigkeiten soweit weiter, dass sie nur noch damit beschäftigt waren, irgendwelche Illusionen
zu schaffen und darin zu leben. Dabei verlernten sie allmählich völlig, wie man die Maschinen,
die sie am Leben erhalten, repariert. So sind sie früher oder später dem Untergang geweiht. Dies
ist im Prinzip ein typischer Science Fiction Plot, der uns so ähnlich auch noch das eine oder
andere Mal in Star Trek unterkommen wird.
Negativ am Pilotfilm fällt auf, dass fast die gesamte Handlung zu einer Pike-One-Man-Show verkommt.
Pike steht dermaßen im Mittelpunkt, dass für den Rest der Hauptcharaktere kaum Zeit und Raum bleibt
sich zu entfalten. So hat der Rest der Crew im größten Teil der Folge auch herzlich wenig zu tun.
Positiv hingegen ist es, dass man trotz der Fixierung auf Pike das enorme Potential der
Zusammenstellung der Charaktere sehen kann. Es handelt sich dabei um eine recht ausgewogene Crew,
ganz anders als die klischéebeladenen Charaktere, die man oft in anderen Science Fiction
Produktionen antrifft. Mit dem satanistisch aussehenden Spock befindet sich beispielsweise einer
der angesprochenen intelligenten Außerirdischen gleich als führender Offizier an Bord. Gleichzeitig
ist die Crew ihrer Zeit weit voraus, in dem sie uns einen weiblichen ersten Offizier präsentiert,
welcher nicht nur zum Kaffee kochen da ist, was eher dem Frauenbild der 60er Jahre entsprochen hätte.
Doch kommen wir zu den Charakteren im Einzelnen:
Jeffrey Hunter steht als Captain Pike im Zentrum der Episode. Sehr zu begrüßen ist Roddenberrys
Versuch ihm gleich in der ersten Folge einen Hintergrund zu geben. Man erfährt sofort einiges über
den Charakter und seinen Werdegang. Zugegebenermaßen erscheint es ziemlich klischéehaft, Pike als den
von der ewigen Verantwortung müden Kommandanten hinzustellen, der sich Vorwürfe wegen dem Tod einiger
Crewmitglieder macht, man muss Roddenberry jedoch den Ansatz, Pike am Ende dieser Episode nicht als
unbeschriebenes Blatt dastehen zu lassen, hoch anrechnen. Es ist nie verkehrt den Charakteren über
die man schreibt einen gewissen Tiefgang zu geben und das ist bei Pike allemal gelungen.
Majel Barrett, die spätere Ehefrau von Star Trek Schöpfer Roddenberry ist hier in der Rolle des
ersten Offiziers Nummer Eins zu sehen. Es wirkt etwas befremdlich, dass man von ihr keinen Namen
erfährt, sie ist für alle nur Nr. 1 (man weiß noch nicht mal, ob sie überhaupt einen Namen hat).
Wenn in der ganzen Episode auch nie 100%ig geklärt, scheint es so, dass Nr. 1 keine Emotionen
verspürt, so wie Spock in der späteren Serie. Dazu passt auch, Vinas Bemerkung man könne Pike an
ihrer Stelle gleich mit einem Computer kreuzen. Nr. 1 wirkt im ganzen Film jedenfalls recht kühl
und emotionslos. Alles in allem hat Barrett als Nr. 1 relativ wenig zu tun und es bleibt bei einer
recht blassen Darstellung des ersten Offiziers. Die Bezeichnung Nr. 1 wird in der TNG wieder
aufgegriffen. Dort nennt Picard seinen ersten Offizier Riker auch des öfteren so.
Leonard Nimoy ist es von den anderen Hauptpersonen noch am ehesten gelungen, als Spock Akzente zu
setzen. Er ist hier noch der zweite Offizier des Schiffes und vor allem in der Tätigkeit des
Wissenschaftsoffiziers zu sehen. Seine spitzen Ohren (gegen die sich Nimoy lange wehrte) und seine
steilen Augenbrauen unterscheiden ihn deutlich von den Menschen, trotzdem zeigt er hier Gefühle,
nicht wie später in der Originalserie. Er darf sogar in einer Szene ein breites Grinsen aufsetzen,
was deutlich zeigt, dass Spocks Emotionslosigkeit noch eher bei Nr. 1 liegt und erst nach dem
Streichen von Barretts Rolle auf ihn übertragen wurde.
Dr. Boyce ist der eher väterliche Typ von Arzt. Ihn verbindet offenbar eine Art von Freundschaft
zum Captain, so wie später auch bei Kirk und McCoy.
Die anderen Crewmitglieder, Navigator Joe Tyler und Yeoman Colt haben wenig zu tun und das
Potential dieser Figuren tritt somit nicht so richtig zutage. Bei Yeoman Colt könnte man aufgrund
der Handlung lediglich vermuten, dass sie sich zu Captain Pike hingezogen fühlt.
Obwohl erst 1988 zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt (also schon zu Zeiten der TNG), stellt
"Der Käfig" die eigentliche Geburtsstunde Star Treks dar. Star Trek Schöpfer Gene Roddenberry
musste allerdings bis zur Verwirklichung des ersten Pilotfilms einen hindernissreichen steinigen
Weg zurücklegen. 1921 geboren, begeisterte sich Roddenberry schon als Jugendlicher für Science
Fiction, wobei er die anspruchsvollere Science Fiction Literatur, der meistens recht simplen TV
und Kino Science Fiction vorzog. Roddenberry arbeitete Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre
als Polizist in Los Angeles. Er wurde später technischer Berater für eine Krimi-Serie. Schon bald
schrieb er eigene Drehbücher und hängte seinen Polizistenjob an den Nagel, da er als Autor größeren
finanziellen Erfolg hatte. Er arbeitete für verschiedene Serien als Autor, hatte jedoch Probleme
damit, dass die Produzenten seine Drehbuchbeiträge überarbeiteten, wie es ihnen passte und er
nichts dagegen tun konnte. So entschloss sich Roddenberry schon bald dazu selbst Produzent zu
werden, um dann selbst derjenige zu sein, der die Beiträge anderer Autoren überarbeitete.
Er entwickelte für MGM die Serie "The Lieutenant", welche auch in Produktion ging, allerdings
mangels Zuschauerinteresse bald wieder eingestellt wurde. Während der Produktion von "The
Lieutenant" lernte er sowohl die Darsteller Leonard Nimoy und Nichelle Nichols, als auch den
Regisseur Robert Butler kennen. Nach dem Ende der Serie sollte Roddenberry ein neues Konzept
vorlegen. Er entwickelte das Star Trek Konzept. Da er wusste, dass die Verantwortlichen der
TV-Studios keine Freunde der Science Fiction waren, vor allem, da er nicht die simple
Monster-Science Fiction der letzten Jahrzehnte, sondern anspruchsvolle TV Unterhaltung für den
erwachsenen Zuschauer produzieren wollte. Roddenberry verkaufte sein Konzept also als
Westernserie im Weltraum, um so die Verantwortlichen mit dem Wort Western zu beruhigen.
Roddenberry war außerdem der Meinung, dass ihm die Science Fiction die Möglichkeit gibt, brisante
gesellschaftliche Themen anzusprechen, welche bei anderen Serien aufgrund der Zensur der Studios
nicht möglich waren. In einer Science Fiction Serie konnte man hingegen einfach die sozialen
Probleme der Menschheit auf andere Welten und Völker übertragen und so soziale Misstände auf der
Erde anprangern, ohne dass die TV-Studios darin eine Verletzung der Fernseh-Tabus sahen, oder ihnen
diese Verletzung überhaupt auffiel.
MGM lehnte Roddenberrys Konzept jedoch ab, die Desilu-Studios hingegen suchten zu dieser Zeit nach
neuen Serien-Konzepten und engagierten Roddenberry zur Entwicklung solcher Konzepte. NBC
interessierte sich für das Star Trek Konzept, wohl vor allem auch deswegen, da der Sender einer
Firma gehörte, welche Fernseher herstellte und welche mit neuen, farbigen Serien den Verkauf von
Farbfernsehern ankurbeln wollte. NBC ließ Roddenberry drei Geschichten entwickeln für einen
eventuellen Pilotfilm. Da NBC skeptisch war, ob das kleine Desilu-Studio ein solch großes
Serienkonzept überhaupt umsetzen konnte, wählte man die relativ schwer zu produzierende Folge
"The Cage" aus, um Desilu zu testen.
Robert Butler wurde für die Regie engagiert. Die Hauptrollen wurden mit Jeffrey Hunter, Majel
Barrett (die zu dieser Zeit bereits Roddenberrys Geliebte war) und Leonard Nimoy besetzt. Die
Dreharbeiten fanden in einer der Desilu-Hallen statt, welche sich aufgrund fehlender
Schallisolierungen schlecht für die Serienproduktion eignete. Die Dreharbeiten dauerten
ungewöhnlich lange 16 Tage und der Film kostete mit 615 000 Dollar deutlich mehr, als
ursprünglich vorgesehen und auch deutlich mehr, als NBC bereit war, beizusteueren (285 000
Dollar). Das Budget hielt sich jedoch noch in Grenzen, da man einen großen Teil der Kulissen
für die spätere Serie hätte verwenden können. Doch es sollte noch einmal anders kommen. NBC war
zwar mit der Umsetzung der Desilu-Studios zufrieden, lehnte den Pilotfilm aber ab, da er als zu
anspruchsvoll für das amerikanische TV-Publikum angesehen wurde.
Man erkannte dennoch das Potential hinter Star Trek und so bekamen Roddenberry und seine Crew eine
neue Chance. NBC bat Roddenberry darum den weiblichen ersten Offizier und den Außerirdischen Spock
aus der Serie zu entfernen. Es gelang Roddenberry jedoch, Spock gegen den Willen des Senders in der
Serie zu behalten. (Er sagte darüber später einmal: "Ich behielt den Außerirdischen und heiratete
die Frau".) Die Emotionslosigkeit von Nr. 1 wurde kurzerhand auf ihn übertragen. NBC bat
Roddenberry darum, Spock im Hintergrund zu halten. Da Jeffrey Hunter keine Science Fiction mehr
produzieren wollte, brauchte man einen neuen Hauptdarsteller. William Shatner wurde für die Rolle
Kirks engagiert. Auch die anderen Darsteller wurden ersetzt. 1965 wurde der zweite Pilotfilm
1.03: Die Spitze des Eisbergs gedreht, mit dem NBC recht zufrieden war.
Star Trek hatte den mühsamen Weg auf den Fernsehschirm geschafft.
"The Cage" hatte nach seiner Fertigstellung mit 78 Minuten ein ungewöhnliches Längenformat. Der
Film wurde 1965 auf der SF-Weltcon in Cleveland/Ohio zum ersten Mal gezeigt. Jahre später erschien
der Film auf Video. Den Weg auf den TV Schirm fand der Film jedoch erst im Jahre 1988 in einer
64 minütigen Fassung. Der Film wurde dort in einem TV Special zu Star Trek gezeigt, welches als
Füllmaterial für die, aufgrund eines Autorenstreiks kürzere 2. TNG Staffel lief.
Für die TOS Doppelfolge 1.11 + 1.12: Talos IV-Tabu wurden fast alle
Szenen dieses Pilotfilms in eine Rahmenhandlung eingebaut und dort gezeigt. Einige wenige für die
Handlung eher unwichtige Szenen fielen dabei raus, um noch die Rahmenhandlung unterzubringen.
Folgende Szenen fehlen in der Doppelfolge:
- 1. eine kurze Unterhaltung zwischen Pike und Nr. 1 auf der Brücke,
- 2. Teile der Szene, in der Pike in seinem Käfig erwacht. Er schaut hinaus und sieht in den anderen
Käfigen viele interessante und unbekannte Spezies.,
- 3. ein Teil des Kampfes zwische Pike und dem unbekannten auf Rigel VII,
- 4. ein Teil der Picknick-Szene,
- 5. eine kurze Szene, in der sich Spock mit einem Crewmitglied unterhält, bevor Nr. 1 und Yeoman Colt
auf den Planeten gebeamt werden,
- 6. eine Szene auf der Brücke, in der Spock das Kommando übernimmt und beschließt den Planeten zu
verlassen, nachdem sowohl der Captain als auch Nr. 1 und Colt verloren gegangen sind,
- 7. eine weitere Szene auf der Brücke, in der die Talosianer die gesamte Datenbank der Enterprise
abrufen und
- 8. Die Schlussszene auf der Brücke der Enterprise.
Nach der Produktion dieser Doppelfolge galt der Pilotfilm "The Cage" lange Zeit als verschollen. Man
war der Meinung, dass keine komplette Farbkopie mehr existieren würde. Es tauchten in den folgenden
Jahrzehnten Schwarz/Weiß-Kopien des Films auf, welche mit den Farbszenen aus
1.11 + 1.12: Talos IV - Tabu für eine Videoveröffentlichung ergänzt
wurden. Sogar bei der ersten TV-Ausstrahlung, bei der der Film mit einer Einleitung von Gene
Roddenberry versehen wurde, wurde nur die Teil-Farbversion ausgestrahlt. Erst später fand man
eine komplette Farbkopie.
Inzwischen ist die Originalserie auf DVD erschienen. Der 1. Pilotfilm "Der Käfig" ist dabei sowohl in der
Teil-Farbversion (mit Roddenberrys Einführung), als auch in der wiederentdeckten, kompletten Farbversion
in der 3. Season-Box enthalten. Leider wurde jeweils die 64 minütige TV-Fassung verwendet, die
ursprüngliche 78-Minuten-Version wurde nie gezeigt, oder veröffentlicht.
Für die DVD-Version wurde Roddenberrys Einführung noch mit einer deutschen Stimme versehen.
In Deutschland durfte man "Der Käfig" 1993 zum ersten Mal im Fernsehen sehen. Leider wurden dabei
völlig andere Synchronsprecher, wie in 1.11 + 1.12: Talos IV-Tabu
verwendet, was noch zu verkraften wäre. Schade ist es jedoch, dass selbst Spock mit Norbert Gescher nicht seine
gewohnte Stimme aus der Serie bekam, auch wenn diese zu diesem Zeitpunkt sicher viel zu alt gewirkt
hätte.
Trotzdem muss man sagen, dass die Synchronisation von "Der Käfig" nicht schlecht ist, an vielen
Stellen übertrifft sie sogar die Übersetzung der in 1.11 + 1.12: Talos IV-Tabu
verwendeten Szenen.
Der Film wird bis heute sehr selten im TV gezeigt, was wohl daran liegt, dass er für das heutige
an vollen Stunden ausgerichtete Programmschema der TV Sender deutlich zu lang ist.
Die Spannung von "Der Käfig" ist eher durchschnittlich. Die Handlung wirkt in manchen Momenten
etwas zäh und langatmig, was die Spannung senkt. Auch wäre es durchaus möglich gewesen die Handlung
komprimierter zu erzählen und sie so spannender zu gestalten. Für die Spannung gibt es somit 3 Punkte.
Die Effekte sind für damalige Verhältnisse bereits gelungen und zahlreich. Es gibt einige größere
Lasereffekte zu sehen (die sogenannten Phaser wurden erst in der regulären Serie eingeführt), auch
darf man gleich eine ganze Fülle an neuen und unbekannten Spezies bewundern. Die Kulisse des
Planeten ist zwar leider nur eine Studio-Papp-Kulisse, doch selbst diese ist aufwendiger gestaltet,
als in so mancher Folge der Originalserie. Einzig das Monster von Rigel VII erscheint ziemlich
lächerlich. Die Talosianer sind dafür sehr interessante Aliens. Mit ihrem übergroßen Kopf haben sie
ein sehr ungewöhnliches Design und gehören auch heute, 40 Jahre nach der Produktion dieser Folge noch
zu den ungewöhnlicheren Aliens in Star Trek. Bei Pikes und Vinas Picknick Szene darf man im
Hintergrund ganz schwach die Silhouette eine modernen Stadt sehen. Viel erkennen tut man dabei
allerdings nicht. Die Effekte werden mit 5 Punkten bewertet.
Das Team, welches den Film produzierte hatte übrigens sehr große Probleme mit dem grünen Make-up
von Vina, in der Szene, in der sie sich in ein grünes Sklavenmädchen verwandelt. Man benutzte
dafür einfach grüne Farbe, welche auf die Haut aufgetragen wurde. Man machte einige Probeaufnahmen.
Beim fertig entwickelten Film war allerdings kein Unterschied bei der Hautfarbe festzustellen und
man nahm beim nächsten Versuch deutlich mehr grüne Farbe, doch auch dies ohne Erfolg. Das Ganze
wiederholte sich noch ein paar Mal, bis man feststellte, dass das Fotolabor bei der Entwicklung
die Aufnahmen für fehlbelichtet hielten und man dort alles mögliche unternahm, um wieder die
normale Körperfarbe herzustellen.
Die Handlung stellt einen ambitionierten Star Trek Beitrag dar, welche schon viele Elemente enthält,
die später zu Star Trek Markenzeichen wurden. Man kann die Handlung als gut ansehen und sie getrost
mit 5 Punkten bewerten.
Alles in allem bleibt die Folge mit 4 Punkten im Star Trek Durchschnitt, sie stellt kein Highlight
dar, ist aber trotzdem ein gelungener Auftakt zu einer Fernsehserie, die später völlig unerwartet
alle Rekorde brechen sollte und Geschichte schrieb. Die Folge ist somit auch von fundamentaler
Bedeutung für das Star Trek Universum, wie es sich später entwickelt hat.
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