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TOS 1.04 Implosion in der Spirale


The Naked Time

von Matthias Weber

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 1704,2
Die Enterprise fliegt den Planeten Psi-2000 an, der in Kürze auseinanderbrechen wird. Die Enterprise soll noch ein Wissenschaftlerteam von dort evakuieren und den Zerfall des Planeten beobachten.
Spock und Lt. Tormolen beamen zur Wissenschaftsstation hinunter, wo sie feststellen müssen, dass alle 6 Wissenschaftler tot sind. Die Umstände ihres Todes sind allerdings etwas merkwürdig. Offenbar wurde das Umweltkontrollsystem deaktiviert, woraufhin einige erfroren sind. Eine Frau wurde scheinbar erwürgt und wieder ein anderer hat mitsamt seinen Kleidern geduscht und ist ebenfalls erfroren. Spock möchte so schnell wie möglich auf die Enterprise zurückkehren, da er nicht riskieren will, sich mit einem fremden Virus anzustecken. Er lässt Tormolen noch einige Messungen vornehmen und geht in einen anderen Raum. Tormolen zieht den Handschuh seines Schutzanzuges aus, um sich an der Nase zu kratzen. Ohne dass er es merkt, steckt er sich dabei mit einem fremden Virus an.
Als Spock und Tormolen auf die Enterprise zurückbeamen, werden sie im Transporterraum dekontaminiert und anschließend von Dr. McCoy gründlich untersucht. Der Arzt findet weder bei Tormolen noch bei Spock irgend etwas Ungewöhnliches. Tormolen ist lediglich etwas aufgewühlt wegen des Todes der 6 Wissenschaftler. Kirk befiehlt ihm sich ein wenig auszuruhen.

Dann findet eine Besprechung der Führungsoffiziere statt. Weder McCoy noch Spock können sich erklären, wie es zum Tod der 6 Wissenschaftler kommen konnte. Offenbar blieben sie ganz ruhig sitzen und warteten bis sie erfroren. Drogen als Ursache kann McCoy definitiv ausschließen.
Ein anderes Problem ist der instabile Planet. Durch seinen Zerfall ändern sich ständig die Schwerkraftverhältnisse, wodurch stetige Kurskorrekturen notwendig sind. Gleichzeitig muss die Enterprise aber einen relativ engen Orbit fliegen, um den Zerfall des Planten genau beobachten zu können. Das Schiff muss also schnell den Orbit verlassen können, wenn der Planet kollabiert. Scotty sagt jedoch, dass dies kein Problem sei, man könne sofort auf Warpgeschwindigkeit gehen, wenn es nötig ist.
Unterdessen ist Tormolen in den Aufenthaltsraum gegangen um dort etwas zu essen. Sulu und Lt. Riley kommen hinzu. Sie diskutieren über Sulus neues Hobby, das Fechten.
Tormolen verhält sich plötzlich sehr eigenartig. Er sagt, die Menschen hätten nichts im Weltraum verloren, dann nimmt er ein Messer, bedroht zunächst Sulu und Riley damit, um es dann gegen sich selbst zu richten. Als Sulu und Riley versuchen ihm das Messer wegzunehmen, wird Tormolen verletzt. Er wird sofort auf die Krankenstation gebracht, wo McCoy ihn operiert.
Sulu und Riley sind zu ihrem Dienst zurückgekehrt, auf der Brücke nehmen sie die Kurskorrekturen vor. Doch plötzlich steht Sulu einfach auf und verlässt die Brücke, ohne dass Spock etwas davon merkt. Erst als sich die Gravitation erneut ändert und Riley allein nicht mehr den Kurs halten kann, merkt Spock, dass Sulu nicht auf seinem Posten ist. Er ersetzt ihn und kann die Enterprise vor dem Absturz retten. Er fragt Riley nach Sulu, doch auch dessen Verhalten wird nun immer merkwürdiger. Er ist in sehr guter Stimmung und verkündet lauthals, dass ein Riley besser sei als tausend Vulkanier. Spock lässt den Lieutenant ablösen und befiehlt ihm sich auf der Krankenstation zu melden.

McCoy konnte Tormolen nicht retten, obwohl dessen Verletzungen nicht sonderlich schwer waren. Er kann sich dies nicht erklären, hat aber den Eindruck, Tormolen wollte nicht mehr leben, was sowohl den Arzt als auch den Captain verwundert.
Inzwischen rennt Sulu mit einem Degen durchs Schiff und hält sich für D'Artagnan. Er bedroht mit der Waffe einige Crewmitglieder. Es wird immer deutlicher, dass das Außenteam einen Virus mit auf die Enterprise brachte, der sich nun unter der Crew verbreitet und das seltsame Verhalten der Besatzungsmitglieder erklärt. Riley stattet auf der Krankenstation Schwester Chapel einen Besuch ab und gesteht ihr seine Liebe. Dabei berührt er sie, woraufhin auch sie bald erste Symptome einer Erkrankung zeigt.
Sulu geht auf die Brücke und will Uhura, die er für eine Königin hält, beschützen. Kirk und Spock können ihn überwältigen und bringen ihn auf die Krankenstation. Dort macht McCoy einige Tests mit ihm, um mehr über die eigenartige Krankheit herauszubekommen.
Riley geht in den Maschinenraum, schickt Scotty unter einem Vorwand hinaus und verriegelt dann von innen die Tür. Er hält sich für den Captain der Enterprise und beginnt eine schaurige Version des Liedes "I'll take you home again, Kathleen" zu singen. Derweil versucht Scotty, mit dem Phaser die Wand zum Maschinenraum zu durchbrechen. Kommt er nicht rechtzeitig hinein, wird die Enterprise auf den Planeten stürzen.
Als Spock McCoy in der Krankenstation sucht, wird er von Chapel mit dem Virus angesteckt. Er zeigt nun auf einmal Emotionen, die er bisher immer verdrängt hat. Er geht in den Besprechungsraum und fängt an zu weinen.
Kirk und Scotty können endlich die Tür zum Maschinenraum öffnen und Riley überwältigen. Scotty muss aber feststellen, dass Riley alle Maschinen abgeschaltet hat. Es dauert 30 Minuten sie wieder hochzufahren und das, wo man in 8 Minuten auf den Planeten stürzt. Kirk will versuchen mit Hilfe einer Implosionsformel Materie und Antimaterie kalt zu mischen, allerdings braucht er dafür Spock. Er findet den Vulkanier im Besprechungsraum. Der gesteht ihm, dass er seine menschliche Mutter liebe, er habe es ihr aber noch nie gesagt. Kirk versucht vergeblich den Vulkanier dazu zu bewegen, sich auf das aktuelle Problem zu konzentrieren. Schließlich schlägt er seinen Ersten Offizier, damit dieser wieder zu seiner Selbstbeherschung findet. Spock aber wehrt sich und infiziert dabei Kirk. Der Captain gesteht nun, dass er die Enterprise liebt. Spock kann sich jedoch wieder konzentrieren. Er kennt die Implosionsformel tatsächlich.
McCoy findet inzwischen ein Gegenmittel und testet es an Sulu, der dadurch wieder völlig normal wird.

Während McCoy das Gegenmittel an die ganze Crew verteilt, riskieren Kirk, Spock und Scotty die Implosion. Durch diese wird die Enterprise 72 Stunden in die Vergangenheit geschleudert. Spock stellt fest, dass man mit Hilfe der Implosion nun in jegliche Zeitepoche reisen kann. Kirk sagt, man würde es vielleicht irgendwann mal ausprobieren.




Bewertung

"Implosion in der Spirale" ist vor allem charakterseitig eine interessante Folge. Es sind nicht nur zum ersten Mal alle Hauptcharaktere dabei, durch den Erreger, der auf die Besatzung wie Alkohol wirkt, erfährt man auch viel über die geheimen Gefühle, Sehnsüchte und Ängste der Crew. So offenbart zum Beispiel Christine Chapel ihre Liebe zu Spock.
Ebenfalls näher beleuchtet wird Kirk. Es wird deutlich, dass er seine Position als Captain sehr mag, allerdings macht ihm vor allem die professionelle Zurückhaltung, die man von ihm als Captain erwartet, zu schaffen. Zum Beispiel darf er sich als Kommandant nicht so einfach mit einer Frau einlassen. In einer kurzen Szene erfährt der Zuschauer von seiner offensichtlichen Zuneigung zu Janice Rand (die auch in späteren Folgen noch mal aufgegriffen wird), die er aber auch nicht offen zeigen kann. Dieser Aspekt ist zwar ein interessanter Charakterzug, passt aber eigentlich nicht so richtig zu Kirk, denn gerade er lässt später, Captain hin oder her, nie eine Gelegenheit für eine Romanze aus und kann getrost als Frauenheld bezeichnet werden.
Glaubwürdiger ist da schon der Aspekt, dass Kirk sein Schiff, die Enterprise, offenbar als eine Art Gefährtin für sich sieht. Sie bedeutet ihm sehr viel und auch wenn sie ihn daran hindert sein Leben zu leben, kommt er nicht ohne sie aus. Dieser Aspekt ist ein sehr wichtiger des Charakters Kirk und wird vor allem in den Kinofilmen noch näher behandelt, wenn er immer wieder ein eigenes Kommando anstrebt. Er unternimmt zwar mehrfach den Versuch sein eigenes Leben zu leben (zum Beispiel im Nexus in Star Trek VII - Treffen der Generationen), doch letztendlich holt ihn immer wieder seine Sehnsucht nach der Enterprise und der Sternenflotte ein.

In dieser Folge wird auch zum ersten Mal Spock, die vielleicht interessanteste Figur der Serie, näher beleuchtet. Man erfährt, dass die Vulkanier keineswegs so emotionslos sind, wie gemeinhin angenommen wird. Im Gegenteil, gerade die Vulkanier werden von sehr tiefen Gefühlen bewegt, die weit intensiver sein können als die der Menschen. Früher waren die Vulkanier ein ungewöhnlich wildes Volk, das seine Emotionen offen auslebte. Dies führte allerdings dazu, dass der Planet im Chaos versank und so entwickelten sie über Jahrhunderte hinweg die Fähigkeit, ihre Gefühle zu unterdrücken. So bewegen auch Spock hinter seiner Fassade aus Logik und Selbstbeherrschung tiefe Emotionen. Durch den Virus, der die Hemmschwelle senkt, darf man in einigen Szenen zum ersten Mal hinter diese Fassade blicken.
Was sich dahinter verbirgt, ist eine im tiefsten Innern gespaltene Persönlichkeit. Spock ist hin- und hergerissen zwischen seiner menschlichen und seiner vulkanischen Hälfte, wobei die vulkanische die menschliche gern verdrängen würde. Er hat sich früher sogar für seine freundschaftlichen Gefühle gegenüber der Crew geschämt. Durch das Bestreben ein perfekter Vulkanier zu sein wird Spock auch in einer der späteren Folgen (1.07: Der alte Traum) sehr getroffen, als Kirk ihn als Halbblut bezeichnet. Trotz dieses Strebens verbergen sich in seiner Seele sehr menschliche Gefühle. Im Gespräch mit Kirk gibt er zum Beispiel zu, dass er seiner menschlichen Mutter gern mitteilen würde, dass er sie liebt, doch seine vulkanische Selbskontrolle würde dies nicht zulassen.
Diese tiefen Einblicke in die Psyche und das Zeigen von Gefühlen hat natürlich, gerade bei Spock, einen ganz besonderen Reiz und dieses Thema wurde wohl auch von den Autoren sehr geschätzt, denn ein Spock, der Emotionen zeigt, wurde bald zum Klischee der Serie.

Über den Rest der Crew erfährt man leider nicht sehr viel. McCoys Szenen beschränken sich auf seine Tätigkeit, dasselbe trifft bei Scotty und Uhura zu. Sulu darf zwar in einigen Szenen D'Artagnan spielen, viel über seine Person erfährt man dadurch aber nicht. Trotzdem sind die charkaterbetonten Szenen die besten der ganzen Folge. Leider sind sie aber immer relativ kurz. Der Rest der Handlung gestaltet sich ziemlich wirr.

Dies zeigt sich schon zu Beginn, als Spock und Tormolen in eigenartigen Anzügen auf die Station auf der Oberfläche des Planeten beamen. Die Funktion dieser Anzüge bleibt unklar. Da sie nicht hermetisch abriegeln, sind sie wohl kaum als Schutz vor Krankheitserregern gedacht. Wenn sie aber nur als Schutz vor Kälte dienen sollten bleibt zu fragen, woher Spock und Tormolen wussten, dass es in der Station eisig kalt ist. Da sie offenbar von dem Tod der 6 Wissenschaftler sehr überrascht sind, kann man wohl kaum annehmen, dass sie wussten, dass das Umweltsystem der Station ausgeschaltet war. Die Dekontamination von Rückkehrern auf die Enterprise wird hier zum ersten und auch einzigen Mal in TOS thematisiert. Dass die anschließende, reichlich oberflächliche Untersuchung durch Dr. McCoy zu keinem Ergebnis führt, obwohl Tormolen ja mit einem hoch ansteckenden "Turbo"-Virus infiziert ist, wirft erstens kein gutes Licht auf die Gründlichkeit der Untersuchung und zweitens die Gepflogenheiten nach Außenmissionen. Anscheinend hat McCoy noch nie was von Inkubationszeit gehört.
Stattdessen spazieren die Rückkehrer durchs halbe Schiff und können folgerichtig auch einen mitgebrachten Virus verbreiten. Erst in Enterprise (2001-2005) wird die gründliche Dekontamination bei gleichzeitigem Aufenthalt auf der Krankenstation nach einer Außenmission wissenschaftlich nachvollziehbar thematisiert bzw. in Star Trek eingeführt.

Die Ausbreitung der Krankheit ist hier ebenfalls seltsam. Wie McCoy erklärt, wird sie durch Transpirieren, also Schwitzen übertragen. Tormolen steckt sich jedoch ausgerechnet auf einem eiskalten Planeten an, dann infiziert er Sulu und Riley im Aufenthaltsraum, bei denen sich ziemlich schnell die ersten Symptome bemerkbar machen. Als Sulu dann mit dem Rapier durch die Gegend rennt und von Spock und Kirk überwältigt wird, nachdem er Uhura in seiner Gewalt hatte, könnte man meinen, alle drei hätten sich dabei angesteckt (schließlich war Sulus Oberkörper nackt und man hatte direkten Körperkontakt zu ihm) doch anscheinend war dies nicht der Fall, denn Uhura zeigt die ganze Folge keine Symptome und Kirk und Spock erst sehr viel später. Riley wiederum steckt Chapel an, die im Vergleich zu ihm und Sulu auch relativ lange braucht um darauf zu reagieren.
Spock dagegen leidet sofort nach der Ansteckung durch Chapel, nicht jedoch durch Tormolen, an Gefühlsausbrüchen und die Ansteckung Kirks durch seinen Ersten Offizier ist sowieso ein Rätsel, da der Captain vorher ja auch Kontakt zu Sulu und anderen Infizierten hatte. Ferner ist die wundersame Genesung Spocks durch die Schlägerei mit Kirk wenig glaubhaft, genauso wie die völlige Immunität von McCoy, obwohl er von lauter Infizierten umgeben ist. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Logik zu Gunsten der Dramatik geopfert wurde.

Unklar bleibt auch, wieso Tormolen an seiner Verletzung stirbt. Liegt es am Virus, oder doch an der Theorie McCoys, dass er nicht mehr leben wollte? Nicht mehr leben zu wollen scheint im 23. Jahrhundert ein ausreichender Grund zu sein, an einer nicht-tödlichen Verletzung zu sterben.
Total unglaubwürdig ist jedoch, dass alle Infizierten sich völlig unbehelligt bewegen können. Wieso wird auf dem Schiff eigentlich keine Quarantänestation für die Infizierten eingerichtet, oder sonst ein Versuch unternommen die Seuche einzudämmen? Das ist ebensowenig nachvollziehbar wie die scheinbar völlige Hilflosigkeit der Schiffsführung angesichts dieser im Weltraum doch naheliegenden Gefahr.

Auch sonst scheint an Bord einiges nicht so richtig gut zu laufen. Als Riley zu Chapel kommt und ihr eine seltsame Liebeserklärung macht, kommt diese anscheinend nicht auf die Idee, dass dies vollkommen untypisch für den Lieutenant ist. Anstatt das mindestens dem Arzt zu melden, sitzt sie nur da und setzt einen bedenklichen Gesichtsausdruck auf.
Als Spock Riley auf die Krankenstation schickt, ruft er den Sicherheitsdienst, der dafür sorgen soll, dass er auch da ankommt. Doch vom Sicherheitsdienst ist weit und breit keine Spur. Wie Riley den Maschinenraum übernehmen konnte, erklärt Scotty mit den Worten: "Er platzte rein und sagte ich solle auf die Brücke kommen, dann machte er die Tür zu und verriegelte sie." Diese völlig unglaubwürdige Verhaltensweise des Chefingenieurs wird nur noch von den in geradezu grotesker Weise fehlenden Sicherheitseinrichtungen auf dem Maschinendeck übertroffen. Auch wenn die Folge von 1965 ist, so etwas wäre schon damals auf überhaupt keinem Schiff der US-Marine möglich gewesen und der dramaturgische Kunstgriff hier macht es nicht glaubwürdiger.
Die Rückeroberung des Maschinenraums ist dann auch mehr als haarsträubend. Scotty schneidet sage und schreibe 20 Minuten lang mit dem Phaser ein Loch in die Wand um an den mechanischen Türöffner zu kommen. Ganz abgesehen von viel wirksameren Waffen und anderen Möglichkeiten an Bord ist dies auch wieder ein unnötiger und wenig glaubwürdiger dramaturgischer Einschub, um den Zeitdruck zu generieren.

Seltsam ist Kirks Befehl die Gänge zu räumen, kurz bevor die Implosion ausgelöst wird. Was sollte denn das Räumen der Gänge bitte für einen Sinn haben?

Mal abgesehen von einigen wenigen guten Charakterszenen, erweist sich die Handlung als zusammengeschusterter Blödsinn, der die Crew der Enterprise als einen Haufen total inkompetenter Trottel erscheinen lässt. Man hat das Gefühl, der Autor hat jede Idee, die ihm eingefallen ist, in seinem Drehbuch verarbeitet, egal ob diese auch nur irgendwie mit der Logik vereinbar ist.

Nicht minder dünn ist die Auflösung der Folge, in der die Enterprise durch ein wenig Technikgeschwätz mit Hilfe einer Implosion gerettet wird, die aus irgendeinem Grund (den niemand versteht) bewirkt, dass die Zeit rückwärts läuft.

William Shatner behauptete später, dass George Takei bei den Dreharbeiten für die Degenszenen ein wenig durchgedreht sei. Takei bestritt dies zwar vehement, allerdings bestätigten auch einige andere Schauspieler, er habe die Sache ein wenig zu ernst genommen.

Das Produktionsteam hätte diese Folge gern als erste in der Ausstrahlungsreihenfolge gesehen, wohl da sie alle Hauptpersonen beinhaltet und da man viel über die Charaktere erfährt. Allerdings ist es fragwürdig, ob solch tiefgehende Charakterisierungen bereits in der allerersten Folge ratsam gewesen wären.

Diese Folge ist maßgeblich für Spocks Beliebtheit im Trek-Universum verantwortlich. Vorher war er sowohl von den NBC-Verantwortlichen, (die ihn am liebsten ganz aus der Serie entfernt hätten) als auch von den Zuschauern eher mit Skepsis betrachtet worden. Erst nach Ausstrahlung dieser Folge wurde der Vulkanier auf einmal besser verstanden und Leonard Nimoy bekam plötzlich säckeweise Fanpost und avancierte kurzerhand zum Star der Serie.
Dies ermöglichte es ihm, im 2. Produktionsjahr ein deutlich höheres Gehalt zu fordern. Nachdem sein Agent (für damalige Verhältnisse völlig übertriebende) 9.000 Dollar pro Folge verlangt hatte, einigte man sich schließlich auf 2.600 Dollar, statt bisher 1.250.

Die Folge beinhaltet auch den ersten Auftritt von Krankenschwester Christine Chapel, die wir insgesamt noch 24mal sehen werden. Sie wird vor allem in der zweiten und dritten Staffel präsent sein. Chapel wird von Gene Roddenberrys damaliger Geliebten und späteren Ehefrau Majel Barrett gespielt, die schon in 1.00: Der Käfig die Rolle des Ersten Offiziers der Enterprise innehatte. Diese Rolle wurde nicht in die Serie übernommen, da NBC einen weiblichen Ersten Offizier ablehnte.
Barrett bewarb sich für Chapels Rolle mit einer blonden Perücke, mit der sie nicht mal Roddenberry erkannte. Den beiden war damit klar, dass auch NBC nicht bemerken würde, dass es sich bei den beiden Schauspielerinnen um ein und dieselbe handelte. In 1.00: Der Käfig trug sie auch noch ihren richtigen Namen Majel Lee Hudec. Allerdings wäre NBC mit Barrett wohl auch einverstanden gewesen wenn sie es gewusst hätten, denn die Rolle einer Krankenschwester passte definitiv besser in das damalige Frauenbild als die des Ersten Offiziers.
Ebenfalls den ersten Auftritt hat Bruce Hyde als Lieutenant Kevin Thomas Riley, eine beim Publikum recht beliebte Nebenfigur. Riley spielt auch in der Folge 1.13: Kodos, der Henker.
Grace Lee Whitney ist hingegen schon zum dritten Mal in ihrer Rolle als Yeoman Janice Rand zu sehen.
Das Drehbuch stammt von John D.F. Black, der nur dieses eine Mal für die Originalserie arbeitete, jedoch noch die Story zur TNG-Folge 1.03: Gedankengift lieferte.
Regie führte Stammregisseur Marc Daniels.

Während sich die Amerikaner bei der Folge wenigstens noch über einige gute Charaktereszenen freuen können, wird die Qualität in der deutschen Version durch eine unterdurchschnittliche Synchronisation noch verschlechtert.
In den Szenen im Besprechungsraum, als Spock und Kirk mit ihren Ängsten und Gefühlen kämpfen müssen, können die Synchronsprecher leider nicht überzeugen. Sie sind im Gegensatz zu den amerikanischen Stimmen viel zu laut und alt. Sulus Sprecher hingegen ist nicht fähig, den Namen Richelieu richtig auszusprechen, Rileys Sprecher grölt beim Singen, als wäre er vollkommen betrunken, was im Original ganz anders wirkt. Dafür wurden seltsamerweise alle Hinweise auf Rileys irische Herkunft entfernt, ohne dass ersichtlich wäre wieso. In einer Szene gibt es dann auch noch einen peinlichen Fehler, als Kirk über die Sprechanlage mit Spock sprechen will, obwohl dieser neben ihm steht. Im Original wollte er natürlich mit Scotty reden.
Die Sat.1-Version enthält wieder alle Originalszenen, fällt dafür aber durch einen etwas seltsamen Titel auf. Sie wurde ohne Nachbearbeitung für die DVD übernommen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Handlung ziemlich dünn für 45 Minuten ist, außerdem stapelt sich regelrecht der Unsinn und wird deshalb dieses Mal mit nur 2 Punkten bewertet.
Die Spannung ist mäßig. Es ist eigentlich klar, dass die Enterprise gerettet wird und im Mittelteil zeigt sich mal wieder das typische TOS-Phänomen, es herrscht Langeweile. Insgesamt gibt es dafür 3 Punkte. Die Folge hat für eine Science Fiction-Serie einen beängstigenden Mangel an Special Effects. Der Planet ist Standard der ersten Staffel und sonst gibt es so gut wie überhaupt keine Effekte, was die Bewertung von 2 Punkten erklärt.

Insgesamt ergibt dies das bisher schlechteste Gesamturteil von 2 Punkten. Trotzdem sei gesagt, dass die Folge, bei all ihrer Mittelmäßigkeit wegen der Entwicklung der Charaktere, für TOS relativ wichtig ist.

Spannung: 3 SFX: 2 Handlung: 2 Gesamt: 2
Zusammenhänge

Ein Remake von "Implosion in der Spirale" (The Naked Time), gibt es in der ersten Staffel von TNG mit 1.03: Gedankengift (The Naked Now). Dort stößt die Crew der neuen Enterprise auf die gleiche Krankheit. Dabei wurden viele Details aus dieser Episode übernommen. Es verschanzt sich ebenfalls jemand (Wesley) im Maschinenraum und legt alles lahm, für die Reaktivierung braucht man, genau wie hier, eine Minute mehr als man eigentlich hat und unter der Dusche erfriert ebenfalls ein bekleidetes Crewmitglied. Auch das Drehbuch zur TNG-Folge stammt von John D.F. Black.

In dieser Folge zum ersten Mal zu sehen ist Majel Barrett als Krankenschwester Christine Chapel. Sie hat insgesamt 25 Auftritte und zwar in den Folgen

In den Kinofilmen Star Trek - Der Film und Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart hat sie ebenfalls Auftritte als Christine Chapel.
Majel Barrett spielt außerdem Nummer Eins in den Folgen 1.00: Der Käfig und 1.11 + 1.12: Talos IV-Tabu und leiht dem Companion in Folge 2.09: Metamorphose ihre Stimme.
In TNG und DS9 hatte Majel Barrett insgesamt 9 Auftritte als Deanna Trois Mutter Lwaxana.
Majel Barrett leiht außerdem den Föderationscomputern in allen Star Trek-Serien seit TNG die Stimme und war am DS9-Drehbuch 4.21: Die Muse beteiligt.

Grace Lee Whitney ist zum 3. Mal in der Rolle von Yeoman Janice Rand zu sehen. Sie war zuletzt in 1.20: Der Fall Charlie dabei. Ihr nächster Auftritt ist in 1.05: Kirk:2=?.

Seinen ersten von insgesamt zwei Auftritten hat in dieser Folge der in Fankreisen recht populäre Lieutenant Kevin Thomas Riley, welcher von Bruce Hyde dargestellt wird. Die gleiche Rolle spielt Hyde auch in 1.13: Kodos, der Henker.

Stewart Moss, hier in der Rolle von Lieutenant Joe Tormolen, spielt in der Folge 2.22: Stein und Staub die Rolle von Hanar.

John Bellah, hier als Dr. Harrison dabei, spielte in 1.02: Der Fall Charlie ein Crewmitglied.

Kleine TOS-Statstik
1. zerrissene Shirts von Kirk: 1
McCoy zerreißt Kirks Shirt, um ihm in den Oberarm zu spritzen, (was er übrigens nur bei Kirk tut, vielleicht deswegen, weil Kirks Shirt die ganze Folge noch nicht einen Kratzer hatte).
2. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 0
Keine betörten Frauen dieses Mal.
3. Spocks "Faszinierend": 1 mal
Spock überwältigt Sulu mit seinem Nackengriff.
4a. Spocks "logisch": 3 mal
Den Zerfall des Planeten bezeichnet Spock als faszinierenden Vorgang.
Sulus Aktivitäten als D'Artagnan findet er ebenfalls faszinierend!
Die Implosion eröffnet außerdem faszinierende Perspektiven.
4b. Spocks "unlogisch": 0 mal
Spock findet hier überhaupt nichts unlogisch.
5. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 0 mal
McCoy darf seinen berühmten Satz nicht sagen.
6. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 0 mal
Alle leben noch, Jim.
7. tote Rothemden: 0
Kein Kommentar von McCoy dieses Mal.

Aber:
Schwester Chapel hat McCoys Satz geklaut. Als Tormolen stirbt, sagt sie: "Er ist tot, Doktor."
8. hysterisch kreischende Frauen: 0
Mit Tormolen stirbt nur ein Blauhemd.
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Ausdruck vom: 19. 08. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tos1_4.htm