Deutscher StarTrek-Index  

Enterprise Staffel 2 auf DVD:
Langsamer Abschied vom Erforschen

von Yann - Patrick Schlame

Die Geschichten

Der Schuber der zweiten Staffel von Enterprise auf DVD
Staffel 2 in schicker Plastikbox
Staffel 2 knüpft mit der Auflösung des Cliffhangers "Die Schockwelle" direkt an den Abschluss der ersten Staffel an. In einer aufwändigen Geschichte gelingt es Archer, in "seine" Zeit zurückzukehren und die Zeitlinie wieder herzustellen. Außerdem kann er seine Vorgesetzten davon überzeugen, die Mission der Enterprise fortzusetzen, und sogar T'Pol darf an Bord bleiben. In den nächsten Folgen fällt sehr positiv auf, dass die Serie zunehmend Rückbezüge zu früheren Geschehnissen einbaut, wodurch man als Zuschauer endlich den Eindruck hat, dass die Autoren ihr eigenes Produkt auch wirklich kennen. So entstand "Todesstation" allein, um den Schaden aus "Das Minenfeld" zu reparieren.
"Eine Nacht Krankenstation" ist ähnlich wie "Allein" aus der ersten Staffel eine der gelungenen Bottle Shows - Episoden, die mit wenig Effekten auskommen müssen, um Geld zu sparen, und sich deshalb meist auf die Charaktere konzentrieren. Diesmal geht es um Archer, Porthos und um Archers Gefühle für T'Pol.

Im weiteren Verlauf der Staffel gibt es für jeden der Hauptcharaktere eigene Episoden, der Konflikt zwischen Andorianern und Vulkaniern wird in "Waffenstillstand" fortgeführt, und eine neue Geschichte im temporalen kalten Krieg wird in "Die Zukunft" erzählt. Erwähnenswert natürlich auch das Wiedertreffen mit den Borg in "Regeneration", wo ein Bogen zwischen "Der erste Konktakt" und der TNG-Episode "Zeitsprung mit Q" geschlagen werden soll.
Alles in allem knüpft Staffel 2 in fast jeder Hinsicht an die erste an. Es fällt jedoch auf, dass die Anzahl der Erforschungsepisoden deutlich abnimmt; meist schlittert die Crew nichts ahnend in die Handlung und muss sich mit uneinsichtigen oder gar bösartigen Aliens herumschlagen. Die Initiative geht meist nicht von Archer und Co aus, vielmehr ist die Crew meist zur Reaktion auf Ereignisse und Provokationen gezwungen.
Vielleicht liegt es daran, dass die Popularität der Serie sich auf einem ähnlichen Niveau wie zuvor bei der ersten Staffel bewegte. Stärker als bei Staffel 1 wurden von vielen Fans durchschnittliche Episoden und schwache Schauspieler bemängelt - es sei aber doch jedem Star Trek-Zuschauer ans Herz gelegt, sich darüber ein eigenes Urteil zu bilden.

Die DVD-Umsetzung

John Billingsley als Dr. Phlox
Dr. Phlox bekommt in der zweiten Staffel wieder alle Hände voll zu tun
In Sachen Optik und Klang gibt es an den DVDs des zweiten Jahres nichts auszusetzen. Das Bild ist bei allen Episoden angenehm scharf, so dass man auch die Aufschriften vieler Objekte im Hintergrund lesen kann. Endlich lässt sich bestätigen, was Autoren und Produzenten schon vorher sagten: Anders als in einigen der anderen Serien wurde bei Enterprise großer Wert auf Korrektheit und Plausibilität des Bildhintergrundes gelegt. Statt In-Jokes oder unsinnigen Platzhaltern findet man auf Monitoren, Padds und Plaketten nun Schriftzüge, Briefe und ähnliches, die sich tatsächlich hervorragend in das Universum einpassen. Wie man in den Extras erfährt, wurden sogar kurze Lebensläufe für Hoshi und den Captain geschrieben, weil diese kurz im Bild zu sehen sind (was sich allerdings auf "In a Mirror, Darkly" in Staffel 4 bezieht).
Die DVD-Technik und auch die Tatsache, dass Enterprise erst 2001 in Produktion ging, sorgen also dafür, dass das Bild scharf und präzise ist und man viele liebevolle Details wahrnimmt - dafür fallen aber natürlich auch Patzer bei den Kulissen viel schneller auf, und so mancher Bildhintergrund, der im TV glaubwürdig wirkt, entpuppt sich als bemalte Holzwand u.ä.

Für Heimkino-Enthusiasten mit entsprechender Hardware bietet das DVD-Set Dolby Digital 5.1 sowohl in Deutsch als auch in Englisch; die ebenfalls enthaltene französische Tonspur und die Kommentare müssen sich mit Dolby Surround begnügen. In jedem Fall wird die umfangreiche Klangkulisse der Serie wie kaum anders zu erwarten sehr gut zur Geltung gebracht.

In Sachen Verpackung bleibt alles wie gewohnt: Das Set ist von einem großen Plastikschuber umhüllt, die DVDs sind in transparenten blauen Trays untergebracht. Die Trays werden dabei von einem einfachen Klebestreifen zusammengehalten, der vermutlich nur eine beschränkte Lebensdauer hat, sich dafür aber auch leicht ersetzen lässt.
Auch das beigelegte Booklet ist aufwändig produziert, kann inhaltlich aber nicht überzeugen: Falsche Jahreszahlen (2135 statt 2153), fehlerhafte Episodentitel ("Congenitor" statt "Cogenitor") und eine arg freie Interpretation der deutschen Grammatik sind böse Patzer, die bei einer solchen DVD-Veröffentlichung einfach peinlich sind.

Die Menüs sind wie gewohnt erstklassig animiert und spiegeln perfekt den Look der Oberflächen von Bildschirmen auf der Enterprise wider. Die Reihenfolge der Menüpunkte über die Navigationstasten erscheint allerdings manchmal etwas ungewohnt. In der deutschen Version fällt auf, dass "Return" mit "Eingabe" übersetzt wurde, was zwar nicht per se falsch ist, an dieser Stelle wäre "Zurück" aber wohl treffender gewesen.
Sehr angenehm ist, dass nur wenige Einblendungen wie etwa der übliche Copyright-Hinweis die Spulfunktion des DVD-Players blockieren - viele andere DVDs quälen die Geduld des Zuschauers weit stärker.

Die Extras

Keine DVD-Veröffentlichung ohne Extras - doch inwieweit lohnen sich die Extras der zweiten Staffel auf DVD? Am Ende ist das Urteil etwas zwiegespalten. Denn einerseits sind die Extras auf jeden Fall eine Bereicherung, die man im Fernsehen nicht geboten bekommt. Doch die Special Editions der Filme und auch manch andere Serien hinterlassen hier einen besseren Eindruck.

Aber der Reihe nach: Bei einigen Episoden tauchen ein Kommentar oder geschnittene Szenen als zusätzliche Menüpunkte auf. Die geschnittenen Szenen werden dabei nicht näher kommentiert, man erfährt also nicht, weshalb sie es nicht in die finale Version geschafft haben. Allerdings gibt es durchaus einiges sehenswertes darunter, so etwa eine Bekanntschaft Archers auf der Erde in "Die Ausdehnung", von der man normalerweise nichts erfährt.
Es gibt Audiokommentare von Mike Sussman und Phyllis Strong zu den Episoden "Todesstation" und "Regeneration". Die beiden sind Ko-Autoren dieser Episoden und vermögen einen guten Einblick in die Hintergründe zu geben. Auch Änderungen am Drehbuch und verworfene Konzepte werden erläutert, so dass man zu diesen Episoden wertvolle und interessante Zusatzinformationen erhält. Allerdings haben die beiden keinen so weitreichenden Einblick in ihr "Kind" wie etwa Joe Straczynski, dessen Kommentare bei den Babylon 5 DVDs ingesamt strukturierter und interessanter wirken. Auch können Sussman und Strong nicht mit dem brillanten Humor etwa eines Joss Whedon auf den Buffy-DVDs mithalten. Dennoch informativ und mitunter sehr unterhaltsam.
Textkommentare von Michael und Denise Okuda finden sich bei den Episoden "Stigma" und "Erstflug". Die Okudas sind seit TNG bei Star Trek und verfügen über umfangreiches Insiderwissen zu allen Serien. So erfährt man viel über die Requisiten und wo diese früher schon einmal verwendet wurden, und auch kleine Fehler wie Displays, die abwechselnd eine Oberfläche und dann wieder eine andere haben entgehen ihnen natürlich nicht.

Die restlichen Extras finden sich auf der siebten DVD in einem eigenen Menüpunkt. In den dezent versteckten "NX-01 Files" 04 bis 06 kommen Scott Bakula, Linda Park und Anthony Montgomery zu Wort, um über besonders herausragende Momente ihrer Charaktere und bei den Dreharbeiten zu reden.

Die "Einblicke in Enterprise Season 2" werfen einen näheren Blick auf einige Episoden; viele der Darsteller und der Kreativen kommen zu Wort und erläutern die Bedeutung der Episoden. Auch erfährt man, dass die zweite Folge, "Carbon Creek", tatsächlich zuerst gedreht wurde, erst danach widmete man sich der Auflösung des Cliffhangers "Die Schockwelle".

In "Enterprise Profile: Jolene Blalock" sehen wir die Darstellerin endlich einmal ohne Vulkanier-Makeup - und stellen erfreut fest, dass Jolene alles andere als unterkühlt und emotionslos ist. Mit viel Humor erläutert sie, wie sie zu ihrer Rolle als T'Pol kam, welche Probleme sich beim Dreh ergeben und wie sie mit den anderen Darstellern zurechtkommt.

"LeVar Burton: Star Trek Regisseur" bringt uns Burtons Arbeit hinter der Kamera näher. Burton hat sich seit seiner TNG-Zeit (er spielte Geordi LaForge) zu einem viel beschäftigten und erfolgreichen TV-Regisseur gemausert, der vor allem bei Star Trek regelmäßig Episoden in Szene setzt.

Die restlichen Extras zeigen weitere Einblicke in die Produktion der Serie. Erfreulicher Weise gibt es einige sehr schöne Outtakes von misslungenen Szenen, allerdings wurde auf den allgegenwärtigen "Borg Invasion Trailer" ebensowenig verzichtet wie auf den "Star Trek - Raumschiff Enterprise Boxset-Trailer" - beide haben quasi keinen Informationsgehalt, sondern dienen eher der Eigenwerbung für Paramount-Produkte.

Abschließend betrachtet sind die Extras für sich genommen sehr schön gemacht und frei von Schnitzern. Doch im Vergleich zu anderen DVD-Veröffentlichungen bleibt das Gefühl, dass etwas fehlt. So gibt es keinen Überblick, welche Pläne die Produzenten zu Beginn der Staffel für die weitere Entwicklung der Serie hatten. Wesentliche Episoden wie "Die Schockwelle, Teil 2" und "Die Ausdehnung" bleiben vollkommen unkommentiert, bei den Okudas würde man sich Audiokommentare an Stelle der Textkommentare wünschen. Anders als etwa bei Babylon 5 oder Farscape scheinen die meisten der Extras parallel zu den Dreharbeiten entstanden zu sein, so dass Rückblicke auf die Situation der Serie und Ausblicke auf die Entwicklung wichtiger Handlungsstränge ausbleiben; hier würde man sich etwas mehr Aktualität wünschen.

Insgesamt betrachtet ist die DVD-Veröffentlichung der zweiten Staffel eine wertvolle Investition für jede Star Trek-Sammlung. Die Episoden als solche werden in erstklassiger Qualität dargeboten und stellen TV-Mitschnitte locker in den Schatten. Die Extras sind eine Bereicherung, können aber nicht ganz mit anderen Veröffentlichungen mithalten. Sollte es in absehbarer Zukunft eine HDTV-Veröffentlichung oder eine Special Edition geben, wird man hoffentlich die Extras aufstocken und sich vom Eindruck befreien, dass hier lediglich die Pflicht absolviert wurde - angesichts der nicht unerheblichen Investition dürfen Käufer auch die Kür erwarten.
Enterprise-Fans mit sehr großer Geduld und hohen Ansprüchen an die Extras sollten also vielleicht warten, ob es in den nächsten zwei bis fünf Jahren eine HDTV-Version oder eine neue Auflage gibt. Für diejenigen, die ENT frei von Werbung, in guter Qualität und mit einigem Bonus-Material sehen wollen, ist diese Veröffentlichung aber genau richtig, denn die wichtigste Aufgabe erfüllt das DVD-Set mit Brillanz: Die Episoden der zweiten Staffel sind ohne Schnitzer auf den Silberlingen gelandet und machen Lust auf die verbleibenden beiden Staffeln!

Erschienen: 08. 08. 2005

Technische Details:
DVD Format: 7 x DVD9
Regionalcode: 2
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 1067 Min.
Bildformat: 1,78:1 Anamorphic Widescreen
Tonformat: Dolby Digital 5.1 dt./engl.
  Dolby Surround frz.
  Dolby Surround Kommentare
Untertitel: dt., engl., frz., daen., norw., schwed., niederl.

Extras:

  • Geheimnisse der ENTERPRISE
  • Eine Nacht Krankenstation
  • Outtakes
  • Entfernte Szenen
  • Fotogalerie
  • Making of "Die Zukunft"
  • Textkommentar von Michael und Denise Okuda
  • Audiokommentar von Michael Sussman und Phyllis Strong zu ausgewaehlten Episoden
  • Enterprise Momente: Staffel 2
  • Enterprise Profil: Jolene Blalock
  • LeVar Burton: Star Trek Regisseur
Vertrieb: Paramount Pictures
Preis: ca. 100,- Euro

Die weiteren Veroeffentlichungstermine:
Staffel 3: 10. Oktober 2005
Staffel 4: 21. November 2005

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