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"Star Trek: Nemesis" - Die DVD im DSi-Test

Von Malte Kirchner

Gut sieben Monate mussten die Fans nach dem Kinostart warten, bevor sie nun seit dem 17. Juli den zehnten Star Trek-Kinofilm Nemesis als DVD kaufen können. Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) und die Crew der Enterprise sind in diplomatischer Mission unterwegs, um Frieden mit den Romulanern zu stiften. Doch bei ihrer Ankunft auf dem fremden Planeten sieht sich die Mannschaft nicht nur mit einer Bedrohung konfrontiert, die die Erde zerstören könnte; Picard trifft auf seinen bis dahin gefährlichsten Widersacher: Sich selbst. 

Sein Klon Shinzon wurde von den Romulanern geschaffen, um Picard während des "kalten Krieges" zwischen den beiden Völkern eines Tages zu ersetzen. Eine friedlich eingestelltere Regierung ließ Shinzon schließlich auf der Heimatwelt der Remaner verschwinden, wo dieser jedoch bei den Unterdrückten neue Freunde fand, mit denen er schließlich die Herrschaft über das Imperium übernimmt.

Picard muss erkennen, dass trotz genetischer Gleichheit der Charakter Shinzons ein anderer ist. Umso komplizierter gestaltet sich der Kampf gegen sein Spiegelbild, da dieser aber in den gleichen Bahnen denkt.



Bewertung

Nemesis ist wohl der Star Trek-Film, dem bereits vor Erscheinen die meiste Bedeutung zugesprochen wurde. Das Ende einer Generation und das Comeback nach einer langen Pause sind zwei Stichwörter, über die so weitreichend diskutiert wurde, dass der eigentliche Film am Ende kaum noch Gesprächsthemen lieferte.

Doch an den hohen Erwartungen alleine liegt es nicht, dass der zehnte Film sich wohl zur großen Katastrophe im Hause Paramount entwickelte. Besonders in den USA blieben die Besucherzahlen um einiges hinter den Schätzungen zurück. Europas Fans waren auch nicht gerade gnädig mit dem Film. Schon bald darauf wurden Stimmen der Darsteller laut, dass sie keinen weiteren Film mehr drehen würden. Ob Paramount in absehbarer Zeit überhaupt noch einen weiteren Film herausbringen möchte, ist ohnehin ungewiß. Vor diesem Hintergrund schien manche Darsteller-Äußerung als ein ohnehin unfreiwilliger Rückzug.

Nun ist also die DVD da - und sie ist doch eine positive Überraschung. Paramount Home Entertainment ließ sich nicht lumpen. Der Star Trek-Fan war es gewohnt, einen Film auf DVD zu erhalten, dem nur ein Trailer als Extra beigelegt war. Dieser Trailer fehlt nun zwar, dafür gibt es jedoch einige hochkarätige Extras, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch erklären, warum der Film scheitern musste.

Da wäre zunächst einmal der Audiokommentar von Regisseur Stuart Baird, begleitend zum Film. Baird, ein Mann mit Talenten, erklärt manches Juwel seiner Arbeit, lässt aber auch durchblicken, dass er sich mit Star Trek erst durch den Film erstmals auseinander setzte. Zu kurz, wie sich herausstellen soll: Andernfalls hätte er die Gewichtung seiner Inszenierung mehr zugunsten der Charaktere verlagert und nicht zwei Drittel des Films mit Action bestritten. Actionszenen, bei denen er jedoch zurecht anmerkt, dass für ihn jedes Detail zählte. Zu wenig aber für einen Star Trek-Film, wie sich später herausstellen sollte.

Den Fans noch wichtiger sollten aber die entfernten Szenen sein. Drei Stunden war der Film mal lang, zwei Stunden kamen in die Kinos. Wer sich bei den gelöschten Sequenzen nun das gesamte fehlende Material verspricht, wird enttäuscht sein. Zwanzig Minuten fanden ihren Weg auf die DVD, abzüglich mindestens fünf Minuten begleitender Kommentare von Produzent Rick Berman, Stuart Baird und Picard-Darsteller Patrick stewart. Dennoch wird eines deutlich: Der Schere zum Opfer fielen ausschließlich Dialogszenen. Keine einzige Action-Sequenz wurde herausgeschnitten. Mehr noch: Der Trailer, der im Kino zu sehen war (aber aus wohl guten Gründen nicht mehr auf der DVD), bestand zu zwei Dritteln aus gelöschten Szenen. Vielleicht enttäuschte es die Fans ja auch, dass sie unter falschen Angaben in einem Film gelockt wurden. Dass die szenen offenbar aussagekräftig genug waren, sie im Trailer zu verwenden, steht zumindest im krassen Widerspruch zu der Entbehrlichkeit, die Produzent Berman im begleitenden Interview vorgibt. Nicht ohne Grund distanziert sich Paramount wohl zu Anfang der DVD recht deutlich von den gemachen Äußerungen in den Interviews.

Die Nemesis-DVD ist also anders als alle ihre Vorgänger: Sie ist nicht die Kopie eines guten Kinofilmes, den man sich gerne nochmal ansieht (obwohl sie das auch sein kann), sondern in erster Linie die Aufarbeitung eines zunächst unerklärlich großen Flops. Vielleicht trägt gerade das dazu bei, dem Film doch noch einige Qualitäten abzuringen, die man vorher nicht wahrgenommen hat. Der offene Umgang mit geschnittenen Szenen und das Bekenntnis des Regisseurs, welche Schwerpunkte er bei seiner Arbeit setzte, lassen einen das Werk mit anderen Augen sehen. Die brilliante Bild- und Tonqualität leisten dabei ihren Beitrag. Am Ende wird das Werk damit nicht zu einem besseren Star Trek-Film, sicher aber sorgt die DVD für einen interessanten und unterhaltsamen Filmabend.
 

Technische Details

DVD Format: DVD9 
Regionalcode: 2 
FSK: 12
Laufzeit: ca. 116 min.
Tonformat: dt.: Dolby Digital 5.1, engl.: Dolby Digital 5.1, Audiokommentar: Dolby Digital 2.0 
Untertitel: dt., engl., tuerk., holl., pol., ungar., engl. fuer Hörgeschaedigte
Kommentar: dt., engl.
Bildformat: 2.35:1 anamorph

SPECIAL FEATURES:
- Audio-Kommentar von Regisseur Stuart Baird
- Featurette "Neue Herausforderungen: 
Stuart Baird ueber die Regie von Nemesis" (8.42 min.)
- Featurette "Eine mutige Vision ueber die letzte Grenze" 
(10.17 min.)
- Featurette "Die letzte Reise einer Star-Trek-Familie" 
(16.17 min.) 
- Featurette "Roter Alarm: Die Action von Nemesis" 
(10.09 min.)
- 7 herausgeschnittene Szenen
- Bildergalerie mit Zeichnungen von Konzeptentwuerfen 
und Set-Designs

Vertrieb: Paramount Pictures 
VÖ: 17. 7. 03 
Preis: ca. 23 Euro 

 
- http://www.startrek.de

 

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